• Essen

    Omelette au commissaire

    Kommissar Wertheim liebt schlichte, doch schmackhafte Speisen. Soll es schnell und herzhaft sein – und war er am Vortage klug genug, einige gekochte Kartoffeln aufzubewahren! – so gibt es sein Omelett, dass bei Freunden wie Freundinnen gleichermaßen beliebt ist.


    Benötigt werden: 3 Eier, 1 Klecks Margarine, geraspelter Käse (eine gute Handvoll), 3 Champignons, 1 große gekochte Kartoffel, 1 feingehackte Zwiebel, Salz, Pfeffer, getrockneter Estragon. Dazu 1 Pfanne, 1 Gabel, 1 Schüssel, 1 Pfannenwender.


    Zunächst die feingehackte Zwiebel in der ausgelassenen Margarine glasig dünsten. In der Zwischenzeit die Champignons putzen und in feine Scheiben schneiden, diese zu den Zwiebeln geben. Dann die Kartoffeln in kleine Stückchen schneiden und alles gemeinsam sorgfältig und gleichmäßig verteilen.

    Die Eier aufschlagen, mit Salz, Pfeffer und Estragon würzen und verquirlen. Nun den geraspelten Käse unterheben und die Masse über dem Gemüse verteilen. Nicht rühren, sondern kurz auf großer Hitze anstocken lassen. Dann die Hitze stark drosseln, den Deckel auflegen und die Eieruhr auf 10 Minuten einstellen. Jetzt das luftig-duftige Omelett aus der Pfanne gleiten lassen und sofort servieren. Guten Appetit!


     

     

     

     

  • Orte

    Polperro, Cornwall

    Emmas Abenteuer in Polperro, wo sie mit Großmama und Tante Sybil die Sommermonate verbringt:

    Unter ihr lag die Bucht mit dem kleinen Hafen, um den sich Polperro schmiegte. Schmale Häuser aus Granit, manche rau und dunkel, andere weiß getüncht, formten enge Gassen, die vom Wasser hoch zu den Klippen stiegen. Keine Brise wehte vom Meer her; dieser August brachte Sonnenschein und eine drückende Hitze, wie sie in Cornwall selten herrschte. Vor dem späteren Rückweg hoch zum Häuschen graute Emma. Aber besser das, als den ganzen Tag Sybils Klagen anzuhören. Mit langen Schritten spazierte sie die steilen Straßen hinunter, immer wieder anhaltend, um die Aussicht und ihre momentane Freiheit zu genießen.

    Polperro war überschwemmt von Sommergästen, die sich durch die Straßen schoben; viele von ihnen auf der Suche nach dem einen Künstler, den sie in London vorführen könnten und der ihren Wohlstand vermehren würde. Und die Maler und Zeichner, die Bildhauer und Töpfer boten sich an, bauten ihre Staffeln an jeder Ecke auf, öffneten ihre Ateliers und spielten die Unnahbaren, die nur ihrer Kunst lebten und den schnöden Mammon verachteten.
    Emma schlängelte sich durch die überfüllten Gassen, wich hier einem Stock, dort einem Ellbogen aus und wünschte, sie säße bereits wieder hoch oben auf den Klippen im kleinen Garten. In Menschenmengen fühlte sie sich unwohl und sie atmete auf, als sie den schmalen Laden am Hafen erreichte.

  • Emma

    Ägypten

    Über eine Illustration im gestern vorgestellten Buch habe ich mich übrigens besonders gefreut, weil sie Bezug zu meiner Geschichte hat. Bezug weshalb? Der im Titel genannte “verschwundene Professor” ist zufällig Ägyptologe und Emma träumt davon, das Land einmal zu sehen. Wer weiß, vielleicht wird das eines Tages wahr?

     

  • Die Zwanzigerjahre,  Lesetipps

    “Bin ich reich genug, eine Dame zu sein?”


    So lautet die Kapitelüberschrift eines Buches aus dem Jahre 1928, erschienen also ein bis zwei Jahre, nachdem Emma nach Bonn zurückkehrte. Paula von Reznicek schrieb es unter dem Titel “Die perfekte Dame” und es beschäftigt sich – mitunter sehr kryptisch und vage – mit allen Themen, die die Neue Frau wohl bewegten: Von Mode bis Sport, von Auto bis Liebesleben – alles wurde auf ein bis zwei Seiten besprochen. Ob es ein hilfreiches Brevier war? Sicherlich nicht mehr und nicht weniger, als es solche Ratgeber heute sind. Was aber damals wie heute gefällt, sind die wunderbaren Skizzen und Zeichnungen in diesem Buch.

    Da aber das Thema “Dame” sicherlich auch in Emmas Leben eine Rolle gespielt haben dürfte und sie dieses Buch in zwei Jahren auch lesen wird, lasse ich Frau Reznicek selbst zu Wort kommen: Gehörte zum Damesein unbedingt Geld? War die Dame eine, die nichts tat, als sich die Nägel zu polieren und Dienstboten zu tyrannisieren?


    Bin ich reich genug, eine Dame zu sein?

    Ein Refrain, der immer wiederkehrt – zu keiner Zeit ausstirbt und zur Schlagermelodie der Frau geworden ist.
    Welch ein Irrsinn! Bin ich reich genug, erotisch, musikalisch oder religiös zu sein? Die Dame hat mit Reichtum erst in zweiter Linie zu tun – und die Allerreichste der Welt kann alles andere eher, als eine Dame sein.
    Geld erleichtert – ist nervenberuhigend, angenehm, aber es entscheidet nicht. Manieren und Geschmack, Intelligenz und Instinkt, Gepflegtheit und Liebenswürdigkeit ersetzen oft materielle Vorteile oder gewinnen leicht solche.
    “Wie pflege ich mich ohne Geld?” fragte neulich eine Schöne – und die prompte Antwort einer noch weniger Begüterten, aber bedeutend reizvolleren jungen Dame: “Versuchen Sie`s mal mit Seife, Kamm und Nagelschere …”
    Eine wirkliche Dame ist nicht arm – eine echte Dame kommt auch mit Wenigem aus, eine große Dame hat immer ihren Kreis, der ihr beisteht, immer ihre Freunde, die ihr helfen.
    Aber eine Talmidame, die nur scheint und nicht ist, die nur imitiert und kopiert, die nur äußerlich und nicht innerlich gedeiht, wird und kann nie reich genug sein, um das zu werden, was sie erhofft und nie erreicht …


    Tja, sind wir jetzt schlauer? Und liegt es nicht nah, auf den Namen der Autorin und die damit sicherlich verbundene gehobene Stellung zu zeigen und sich zu fragen, ob sie überhaupt wusste, wovon sie sprach?

    Paula Stuck von Reznicek, wie sie sich nach ihrer zweiten Heirat nannte, war ein geborenes Fräulein Heimann und die Tochter eines Bankiers, allzu viel Armut dürfte sie nicht gekannt haben, hochadelige Standesdünkel aber ebenso wenig – wichtiger wird es werden, dass zumindest ein Elternteil jüdischer Herkunft ist.
    Interessant ist, dass ihr Buch, das sie gemeinsam mit ihrem ersten Mann, einem Freiherrn von Reznicek, geschrieben hat, heute noch als interessantes Zeitdokument gilt, weil es eines sehr deutlich zeigt: Die Veränderung des weiblichen Selbstbewusstseins – das zeigt auch das oben zitierte Kapitel, in dem sie Frauen das Wissen um ihre Erotik zubilligt (ein Thema, das sich durch das Buch zieht). Auch die Illustrationen zeigen diesen Wandel deutlich.

    Paula selbst übrigens auch, denn sie lässt sich von ihrem ersten Mann scheiden, heiratet ein zweites Mal und auch diese Ehe wird geschieden – wer wen weswegen verlassen hat, habe ich in beiden Fällen nicht herausfinden können. Allerdings darf sich auch die heutige Frau noch wundern: In Paulas Wikipedia-Eintrag wird den Gatten durchaus nicht wenig Raum gegeben. Wir erfahren, dass ihr erster Mann Sportreporter und Präsident des Deutschen Tanzverbandes war (und finden auch heraus, dass er sich allein dadurch wohl noch keinen eigenen Wiki-Artikel verdient hat) und lernen auch über ihren zweiten Mann, den Rennfahrer, so einiges. Sie hingegen wird in Quellen, die von Hans Stuck sprechen, kaum erwähnt – in einer Randnotiz erfährt die Suchende, dass Hitlers Vorliebe für den blonden und hochgewachsenen Herrenfahrer ihr das Leben gerettet haben dürfte.

     

     

    Doch nicht nur die Tatsache, dass sie zweimal verheiratet und zweimal geschieden war, machte eine moderne Frau aus ihr: Sie spielte in der Tennisweltrangliste, errang einige Meistertitel und machte sich dann als Schriftstellerin und  Journalistin (bei Der Dame, einer  Zeitschrift, die einflussreich und prägend wirkte und vor einigen Monaten zumindest einmal neu und hochpreisig neu aufgelegt erschien) einen Namen und zwar einen solch guten, dass sie nach 45 von Erich Kästner nach München geholt wurde. Außerdem muss sie zu irgendeinem Zeitpunkt als Krankenschwester gearbeitet haben – der Verdacht liegt nahe, dass das in einem der beiden Weltkriege gewesen sein dürfte. Liest man mit diesem Wissen über ihr Leben das Kapitel oder gleich das ganze Buch erneut, dann verschiebt sich die Wahrnehmung doch sehr, nicht wahr?


    Die perfekte Dame gibt es übrigens als Nachdruck für einige Cent und allein der Bilder wegen lohnt es sich, wenn man die Zwanziger liebt. Mehr über Paula findet sich bei Wikipedia, viel ist es allerdings nicht. Wer mehr über sie weiß – ich wäre sehr interessiert und freue mich über einen entsprechenden Hinweis.

  • Emma

    Emma Schumacher im Oktober 1926

     

     

    Wie stelle ich mir Emma vor?

     

    Am 31. Oktober 1926 wird sie ihren 20. Geburtstag feiern (d.h. falls sie bis dahin noch Gelegenheit zum Feiern hat …) und ich habe mich umgeschaut, ob ich die junge Dame aus meiner Vorstellung irgendwo im weiten Netz finden könnte. Und in Ansätzen war ich erfolgreich, vor allem bei diesem Bild, das von einer Broadway-Sonderausgabe des Life Magazine stammt.

    Genauso könnte Emma am Bahngleis stehen und wer das Buch lesen oder gelesen haben wird, weiß, dass sie dazu reichlich Gelegenheit bekam. Was wäre geeigneter für die Fahrt als ein bequemes Kostüm, das unempfindlich gegen Schmutz und Knitter ist? Und was brächte ihre roten Locken besser zur Geltung als ein grüner Hut?

     

     


     

     

    Emma ist schüchtern, zurückhaltend und unerfahren.

     

    Doch im Jahre 1926 konnte sich das rasch ändern: Selten zuvor hatten Frauen so viele Möglichkeiten, ihr Leben zu gestalten, und nie zuvor hatte Freizeit einen so hohen Stellenwert wie in diesem Jahrzehnt. Ist es also ganz und gar ausgeschlossen, dass auch Emma eine neue Seite an sich entdeckt? Eine verspielte, neckische und vielleicht gar verführerische Seite? Nun, geben wir ihr ein wenig Zeit und schauen, was die nächsten Monate und Jahre bringen.

     

     

     


     

     

    Oh làlà – bahnt sich hier etwas an?

     

    Es schwirren ja einige junge Herren um Fräulein Schumacher herum, was sich als gar nicht so amüsant herausstellt, wie sie annahm. Es kann im Gegenteil sogar ausgesprochen anstrengend sein, wenn man mit beiden zugleich einen Stadtbummel durchstehen muss. Vielleicht sind es nur Träumereien, vielleicht entwickelt sich mehr, vielleicht auch nicht.

     

     

     


     

  • Hinter den Kulissen

    Leseprobe

    Ich sitze an den letzten zwei oder drei Kapiteln, danach geht es an die Korrektur, die Überarbeitung und den letzten Feinschliff. Obwohl – das ist nicht ganz richtig, denn ich wechsele stetig zwischen Weiterschreiben und Verbessern. Beim Schreiben entwickele ich meine Geschichte und stelle die Figuren an einen Platz, mit dem sie klarkommen müssen und ich bin jedes Mal gespannt, wie sie das wohl schaffen. Wer auch schreibt, erkennt es sofort: Ich bin keine, die plottet …

    Ob es dennoch funktioniert, könnt ihr anlesen: Die ersten beiden Kapitel gibt es jetzt und hier als Leseprobe (pdf):

    Emma Schumacher und der verschwundene Professor