Hinter den Kulissen

Das Schöne am Selbstverlegen: Cover entwerfen und erstellen

Ich bin vor nicht allzu langer Zeit von einem nicht zu großen, aber durchaus nicht unbekanntem Verlag angesprochen worden, ob ich mir vorstellen könnte, meine Emma mit etwas mehr Sex und etwas mehr Blut zu garnieren und sie dafür innerhalb eines Jahres in den Buchläden zu finden.
Natürlich war ich geschmeichelt ob der Anfrage, einfach deshalb, weil ich mich freute, überhaupt von jemandem gesehen zu werden. Zu meinem Erstaunen dachte ich nicht eine Sekunde darüber nach – und das hatte ich wirklich nicht erwartet! – sondern lehnte dankend ab. Weil ich eben nicht nur gerne schreibe, sondern dazu auch genau das schreiben möchte, was mir gefällt. Was eben mehr Sex und mehr Blut definitiv ausschließt. Ich lese derlei selbst nicht gerne und ich weiß von einigen anderen, dass sie genau das eben auch nicht mehr sehen wollen. Wir mögen eine kleinere Gruppe sein als diejenigen, die genau nach diesen beiden Zutaten in Krimis suchen, aber dann ist das eben so und ich schreibe für wenige, aber dafür besonders entzückende Personen – was sich ja von selbst versteht, nicht wahr? Also das mit dem besonderen Entzücken. Jede einzelne Leserin, mit der ich Kontakt haben durfte, erwies sich als klug, warmherzig und humorvoll und mehr geht wirklich nicht.

Aber es war nicht allein das, was mich zu meiner Entscheidung bewog. Da sind natürlich all die anderen Dinge, die ich gar nicht genre mache und nicht gerne tue – Werbung beispielsweise kann ich gar nicht, aber das muss man als Autorin auch dann selbst in die Hand nehmen, wenn man über einen Verlag auf den Markt geht. Dafür müsste ich aber auch Dinge abgeben, die ich sehr gerne selbst erledige: Siehe oben – Cover erstellen. Sicher, auch hier könnte man wahrscheinlich Besseres und vor allem Verkaufsförderndes basteln, aber natürlich bin ich auch hier wieder eigen: Nicht nur meine Schreibe und meine Themen müssen mir gefallen, sondern auch noch das Titelbild. Ja, ich weiß, ich bin uneinsichtig und stur, es tut mir leid.
Doch was habe ich eine Freude daran, mich an die Cover zu setzen und von meinem ersten Versuch bis zum jetzigen Layout habe – so hoffe ich – eine Menge gelernt und verbessert.

Wann immer ich eine vage Idee zu einer neuen Geschichte habe, habe ich keine Sekunde Ruhe mehr für anderes, bis ich ein dazu passendes Cover fertiggestellt habe; so merke ich mir die Idee und so komme ich während des Bauens auf weitere Ideen. Gelegentlich setze ich mich drei oder vier Tage am Stück hin und bastele zwei bis vier verschiedene Titelbilder, bevor ich brav weiterschreibe mit meiner Geschichte. Die sich übrigens wie nebenbei in diesen Tagen weiterentwickelt, so dass ich kaum erwarten kann, sie fortzusetzen. Also alles nur positiv, wie ich finde.

Wie läuft das also ab? Vor allem für Emma habe ich mittlerweile ein festes Layout, das bestimmt, wo der Rahmen ist, wo mein Name und der Serientitel, das Stadtbild und das Fräulein Schumacher. Und eben jenes Fräulein Schumacher nimmt die meiste Zeit in Anspruch, denn sie suche ich mir entweder aus meinen eigenen Schnittmustern und Modezeitschriften des entsprechenden Handlungsjahres heraus oder ich finde sie in digitalisierten Magazinen, die gemeinfrei sind. Klingt erst einmal locker, oder? Aber gerade Bilder aus den Zwanzigern, gedruckt auf Papier, das sich längst verfärbt hat, das verknittert und gerissen ist, sehen nicht so aus, wie ich sie haben möchte – sie sind verschwommen, verblasst, winzig klein oder liegen als JPEG vor, was zu Schlieren um die Konturen führt. Finde ich also eine Abbildung, die mich an Emma erinnert, die die passende Kleidung trägt und die richtige Gestik und Mimik mitbringt, dann geht es los.

Der Hintergrund muss entfernt werden, Konturen nachgezeichnet, Fehlendes ergänzt und Farben hinzugefügt. Das nimmt im Schnitt vier bis fünf Stunden in Anspruch, bevor es an die weiteren Details des Covers geht.

 

 

So sieht es beispielsweise aus, nachdem die ersten Schritte erledigt sind. Bei besonders klaren Bildern kann ich die Farbe in die freie Fläche einfügen, ohne vorher alles sorgfältig zu markieren. Was leider selten ist. Meist ist es wie oben: Es bleiben verwaschene Linien und farbliche Blindstellen. Hier habe ich alles nachgezeichnet, was durchaus meditativ sein kann.

 

 

Mit etwas Abstand betrachtet, sieht man, wie die Grafik verschwommen und unsauber wirkt. Nun könnte man sagen: Das bemerkt doch keiner bei einem digitalen Cover, das doch winzig ist. Ja und nein. Natürlich sieht man die einzelnen Farbflecke nicht, aber der Eindruck insgesamt ist einfach nicht lebendig, nicht klar. Da schreit die Perfektionistin in mir (wohlgemerkt: Ich selbst bin gar keine Perfektionistin, aber irgendwo tief in mir drin hockt ein solches Weibsbild und nölt herum, auch nachts um drei nach, wenn ich wirklich niccht mehr will!)

 

 

Das sieht schon besser aus, oder nicht? Verwendete ich mein Fräulein Schumacher pur und groß, so würde ich nun noch die zu kräftigen Konturen verschmälern, aber da greift dann doch der Fakt, dass das Titelbild selten nur in voller Auflösung zu sehen sein wird – mit diesen harten Konturen wirkt das Cover einfach klarer, vor allem, wenn ich zuletzt die Papierstruktur darüber gebe.

 

 

Jede einzelne Linie ist nachgezogen, alles Überstehende entfernt. Gelegentlich – beispielsweise am rechten Knöchel oder am linken Absatz – ist es nicht perfekt, aber das fällt später wirklich nicht mehr auf, da muss die Perfektionistin halt mal heulen gehen, denn irgendwann muss ich auch einmal schreiben. Aber zwischen Original und Kopie liegen in diesem Fall sechs Stunden Arbeit, die ich nicht missen möchte.

Für den Stadthintergrund gehe ich ähnlich vor; ich habe eine Sammlung Bonner Ansichtskarten, die ich einscanne und in eine Datei verwandele, die einer Zeichnung ähnelt. Dann kümmere ich mich um das farbliche Zusammenspiel, suche nach einer Hintergrundfarbe, die zu den anderen Bänden der Reihe passt und zum Thema, passe dann häufig auch noch einmal Emmas Kleidung an und füge zuletzt die gesamte Komposition in die eigentliche Coverdatei ein. Dort füge ich die Schatten hinzu, die Titel, den Rahmen, verpasse allem einen Papierlook und schaue, wie es sich komplett macht. Und muss mich dann bremsen, nicht noch gleich drei oder vier weitere Titelbilder zu erstellen, Spielkind, das ich bin.

Und welches Titelbild wird dieses Fräulein Schumacher zieren? Nun, das dauert noch, bis sie in diesem Fall ermitteln darf. Es wird der vierte Roman für das Jahr 1929 werden – die Weltwirtschaftskrise wird über Emmas doch recht heile Welt hineinbrechen …

 

 

Und weil ich so lieb bin, zeige ich auch schon einmal, welche Geschichten ich mir für 1929 denke …