Wunderbarer Kleiderschrank

Altern und Farben

Wappnet euch, es kommt ein Nachschlag. Wie immer starte ich mit dem Vorsatz, mich knapp zu halten und ahne doch schon: Das wird nichts … 😉 Es steht noch die Frage im Raum, ob und wie sich meine Farben verĂ€ndern, wenn ich die 30+ hinter mir lasse, wenn die Haare ergrauen und die Haut dĂŒnner wird – stehen mir meine Farben dann noch? Und wenn mir meine Farben partout nicht gefallen oder ich unbedingt auch “artfremde” Töne tragen möchte – wie lĂ€sst sich das regeln?

Das Altern ist unausweichlich und nachdem dieser Prozess mit der Stunde unserer Geburt beginnt, hĂ€tten wir Zeit genug, uns daran zu gewöhnen. Hmm, grau ist alle Theorie und es wird wohl nur wenige Menschen auf diesem Erdenrund geben, die diese Erfahrung mit Gleichmut, Gelassenheit und Genuss erleben. Es kommt der Zeitpunkt, an dem die Ă€ußerliche VerĂ€nderung deutlich sichtbar wird – fĂŒr die Person im Spiegel ist dieser Punkt oft frĂŒher erkennbar als fĂŒr die Menschen herum. Und es beginnt oft eine Zeit der Unsicherheit: wie geht es mit mir weiter, was kann ich noch tragen, wie wirke ich auf andere, ist schon alles vorbei? Dazu immer wieder die tollen Tipps, wie zehn Jahre weggemogelt werden können, auf was man ab nun verzichten sollte, um sich nicht lĂ€cherlich zu machen – dazu hatte ich mich vor einem knappen Jahr schon einmal geĂ€ußert.

Und gerne taucht in solchen Altersvermeidungslisten der Tipp auf, die Haare doch in einem “freundlichen, warmen Ton” zu fĂ€rben – weil die alte Frau von 45 Jahren ja eh schon so verbissen-kĂŒhl wirkt, nehme ich an. Das Befolgen dieses Tipps, den leider auch jeder Friseur verinnerlicht zu haben scheint, fĂŒhrt bei etwa der HĂ€lfte dieser gefĂ€rbten Damen dazu, dass sie so richtig mĂŒde, alt und traurig wirken. Denn egal, wie dĂŒnn, zart oder blass die Haut eines Sommers oder Winters auch noch werden mag: Goldtöne werden nie, nie, niemals einen positiven Einfluß auf kĂŒhle Farbtypen ausĂŒben.
Genauso kann allerdings auch die Natur Ärger machen und zwar vor allem den Herbst- und FrĂŒhlingsfrauen: Haare fĂ€rben sich nicht wirklich grau, sondern verlieren ihre Farbe, werden nahezu transparent – nur im Zusammenhang mit den noch farbigen Haaren drumherum entsteht der Farbeindruck. Das fĂŒhrt bei bei manchen Haarfarben zu schönen Ergebnissen: Schwarzhaarige ergrauen in der Regel sehr edel, auch dunkle Sommer können dieses GlĂŒck haben. Auch Schwedisch- oder Platinblonde haben es meist leicht: das Grau fĂ€llt in der eh schon silbrigen Masse nicht auf – sie bleiben irgendwie blond. Ähnliches kann mit Hellroten passieren: aus der leuchtenden Karotte wird oft ein Goldblond.
Schwierig hingegen kann es fĂŒr Dunkelrote, Goldblonde oder Braunhaarige werden: da entsteht das von euch schon erwĂ€hnte Mausbraungrau, irgendwie scheint alles unstimmig, unharmonisch zu sein. Jetzt aber hingehen und die Kleidungsfarben der neuen Haarfarbe anzupassen ist der falsche Weg: hier wĂŒrde ich – ehrlich gesagt – zum Frauenzeitschriftstipp greifen: eine eher helle, warme Farbe hineintönen und bei den eigenen Farben bleiben. Denn unsere Altersfarben Ă€ndern sich nur innerhalb des eigenen Farbschemas, sie werden zarter. Und so wie es in den Jahren zuvor war, kann es auch nun sein: der Einen stehen die hellen Farben, der anderen die Dunklen besser; die Eine sieht besser aus in Farben, die wenig von ihr abweichen, die Andere wirkt interessanter mit grĂ¶ĂŸerem Kontrast. Im Grunde Ă€ndert sich nichts, bis auf Eines: wĂ€hrend unser Gesicht in jungen Jahren eben nicht nur glatt und schön ist, sondern auch oft weniger von unserer Persönlichkeit erzĂ€hlt, so ist unser Ă€lteres Antlitz von unserem Leben, unserem Charakter geprĂ€gt – jeder bekommt irgendwann das Gesicht, das er verdient. Und dieses Gesicht zeigt die Wirkung einer falschen Farbe wesentlich stĂ€rker als ein glattes Gesicht. Das kann den Eindruck vermitteln, man könne im Alter nicht mehr die gleichen Farben tragen wie zuvor – in Wirklichkeit kam man nur Jahre mit der falschen Farbe durch 😉

Wie ist es nun, wenn ich mit meinen Farben nicht sofort klarkomme, wenn ich als Sommer gerne Orange tragen möchte, als FrĂŒhling mich in Rosa sehe? Nicht ganz einfach und es gibt nur zwei Lösungen – glaube ich: Entweder mir sind die richtigen Farben nicht so wichtig – was fĂŒr den Großteil der Menschen gilt und bislang niemandem ernsthaft geschadet hat 😉 Oder aber ich arrangiere mich. Daneben gibt es fĂŒr Winter und FrĂŒhling die Möglichkeit, manche ihrer Farben mit der Palette der Anderen zu ergĂ€nzen: zwei leuchtende Farben können miteinander eine spannende Mischung ergeben. Pink und Orange beispielsweise tauchen immer wieder in der Mode auf, sehr Sixties. FĂŒr Herbst und Sommer ist das schwieriger, denn diese Farben haben die Neigung, einander negativ zu beeinflussen – das Ergebnis ist oft irgendwie matschig, bieder, langweilig.

Aber jetzt bin ich dem Thema – glaube ich – durch, oder? Hat ja auch lange genug gedauert und ich bin baff, wieviele sich hierzu geĂ€ußert haben. Danke 🙂

7 Comments

  • Natascha aka Frau Waldmeisterin

    Das waren wirklich anschauliche Beispiele. Hat mich wieder sehr gefreut. Bisher konnte ich da ja nur mit meiner Mutter fachsimpeln.

    Übrigens habe ich vor ein paar Tagen im Überschwang alles Braun aus meinem Kleiderschrank sortiert. Okay, meine dunkelbraunen Lieblingsschuhe und die sĂŒĂŸe Handtasche mussten bleiben. Die werden nun aber nur noch zu Dunkelblau plus Knallfarbe am Hals kombiniert.

    Liebe GrĂŒĂŸe
    Natascha

  • die Modeoma

    Gerade die Farbzusammenstellung der zuletzt gezeigten H&M-Jacke finde ich sehr interessant. Und bordeaux-rot steht mir normalerweise ganz gut. Die gibts aber noch nicht zu kaufen oder? (zumindest habe ich sie im Online-Shop noch nicht gesichtet). Ich wĂŒrde sie zumindest gern spaßeshalber mal anprobieren (da ich ohnehin nicht genau weiß, ob ich nun ein Sommer, Winter oder Herbst bin – kann mir auch keiner so genau sagen – kĂ€me das doch auf einen Versuch an)

    Lg die Modeoma

  • Nicole

    Das ist ja mal wieder interessant! Danke fĂŒr die Beispiele. Und obwohl ich gesagt habe, ich trage weiter was mir gefĂ€llt 😉 denke ich doch mehr ĂŒber diese ganze Farbgeschichte nach als mir mal wieder lieb ist.

    Meiner Vermutung nach ( blasse Haut, goldblonde Hare, blaugrĂŒne Augen) bin ich ein FrĂŒhling, aber mit der Zuordnung welches jetzt eine Farbe fĂŒr den FrĂŒhling ist, finde ich doch echt schwer. Vor allem da jede Seite anderes sagt (habt natĂŒrlich versucht mich auch des Themas im Internet noch schlauer zu machen, verzeihe mir bitte). Manche sagen dem FrĂŒhling stĂŒnden hellblaue Töne, andere dies, anderes jenes…. gerade bei dem von Dir gezeigtem Beispiel -das Blau der Schuhe (Espadrilles) und dem Blau der Hose – meine EinschĂ€tzung wĂ€re gewesen, das es das Gleiche ist 🙁

    Übertrieben finde ich allerdings das Handtasche und Schuhe jetzt auch in das eigene Farbschema passen sollen, obwohl sie eventuell doch zum Outfit passen können. Vielleicht habe ich ja kein so tolles Farbempfinden, aber meiner Meinung nach wĂŒrde z.B. zu dem hier gezeigten Trenchcoat auch schwarze Schuhe und schwarzer GĂŒrtel mit Handtasche gut passen. Gerade im Bereich des FrĂŒhlings nur Schuhe in den FrĂŒhlingsfarben zu finden, die einem dann auch noch gefallen – wird schwierig bis gar unmöglich werden, wage ich mal zu sagen (gerade wenn man fast nur Vintage Schuhe kauft so wie ich)

    Viele liebe GrĂŒĂŸe
    Nicole

  • Gerlinde

    Augenroll – ich geb’ auf: sogar mein Freundeskreis ist gespalten in so viele Teile/Menschen, wie er besteht, d.h., so viele Menschen, so viele Meinungen – seufz.

    Langsam habe ich nun den Verdacht: denen nichts erzaehlen, sprich – wieder – vergessen lassen und heimlichere checks zu machen.

    Ausserdem hat meine Liebe zum Recyclen von Klamotten ergeben, dass man manche Farbtoene absolut nicht mehr herkriegt, weil einfach wohl wirklich jedes Jahr seine bestimmten Farbtoene aus irgendeinem zentralen Farbpot her/diktiert kriegt – egal mit was dann sonst noch zusaetzlich kombiniert wird. Bleiben tun nur immer die sog. blanken Klassiker = tja, wer ist das wohl? Und haben wir denn tatsaechlich so viele passende Menschen, die dieselben verteidigen wollen/muessen?
    Zumindest hab’ ich’s mit zweien dieser Klassiker nicht: weiss, weil zu schnell schmutzig in diesem Lande. Schwarz, weil unnoetig sich Hitze speichernd in diesem Lande.

    Liebe Gruesse und Tee zu mir (hilft gegen einiges 😉
    Gerlinde

  • Uta

    Sehr interessant, Deine Farben-Serie. Das Kleid in FrĂŒhling/Sommer-Farbe veranlasst mich, meinen Senf dazu zu geben. Ich bin mit ziemlicher Sicherheit ein warmer Farbtyp, trage aber gerne eine warme Farbe “gebrochen” mit einer kalten, sehr oft grau. Heute, ganz exzentrisch, olivgrĂŒnes Kleid mit marineblauer Strickjacke. Außerdem: ich liebe sowieso grau, kann aber nur “meliert” tragen und das ziemlich gut. Bin auch selbst ein “melierter” Typ, so komisch das klingt – mehrfarbige Haare, Sommersprossen, gesprenkelte Augen. Auch warme melierte Töne (Tweed z.B.) sehen besser aus als glatt und uni. Was hat das zu sagen?! (Mir fĂ€llt auch gerade ein, kennst Du die “What not to wear”-BĂŒcher? Sehr ungewöhnliche Farbkombinationen darin.)

  • berry

    Ich freue mich, wenn du dich nicht zu kurz fasst 😉 Vielen Dank fĂŒr den Nachschlag. Es war auch besonders schön, so viel Augenfutter zu bekommen – ich habe bemerkt, dass ich eigentlich inzwischen ein recht gutes Auge fĂŒr die Farbfamilien habe. Und ich merke, wie die Lust auf ein zitronengelbes Teil fĂŒr die Sommersaison ziemlich zunimmt – und das bei mir introvertiertem Wintertyp, tz,tz,tz…
    LG, berry

  • Lucia

    Vielen Dank fĂŒr deine ausfĂŒhrlichen Beschreibungen. Sie haben mich daran erinnert, wieder ein wenig mehr auf mein Farbwahl Acht zu geben 😉

    Ich war auch jahrelang der Meinung ein Herbsttyp zu sein, bis man mir im Rahmen meiner Meisterausbildung sagte, dass ich ein Sommer bin und mich viel zu warm kleide 😉

    Beim Planen meiner neuen FrĂŒhlingsgarderobe werden deine tips und Hinweis auf jeden Fall sehr nĂŒtzlich fĂŒr mich sein. Vielen Dank dafĂŒr!

    Liebe GrĂŒsse Lucia