Die Zwanziger Jahre

Geister, Grusel und Ganoven

In den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts erlebten Spiritistinnen und Spiritisten einen enormen Zulauf. Eben aus dem ersten Weltkrieg entlassen, suchten die Menschen nicht allein nach dem Sinn des Lebens, sondern ebenso nach Kontakt zu den Toten, von denen es zu viele gegeben hatte.
Und vermutlich hat nicht zuletzt der technische Fortschritt zum Erfolg dieser Branche beigetragen: Nicht allein mit geheimnisvollen Klopfzeichen und wackelnden Tischen ließen sich nun Trauernde und Neugierige von der Existenz einer spirituellen Welt überzeugen – nun kamen neben Schatten, Licht und Spiegeln auch Kameras, Filmsequenzen und elektrische Hilfsmittel zum Einsatz, mit denen eine surreale Atmosphäre geschaffen wurde. Ein Grammophon lieferte schaurige Musik, die direkt aus dem Totenreich zu kommen schien, neblige Projektionen klagender Frauen schwebten schwerelos und transparent vor der Gästeschar, es vibrierte und summte und bebte, als ob eine Armee gesprächsbereiter Gespenster aufmarschiere.
Dennoch waren die meisten der erfolgreichen Tricks eher simpel: Aus Eischnee und Baumwollmusselin ließ sich Ektoplasma formen, das anzeigen sollte, wie das sich in (angeblicher) Trance befindende Medium von einem Geist in Besitz genommen wurde. Oftmals war die Stimmung erotisch aufgeladen; so floss das Ektoplasma bei manch einer raffinierten Betrügerin zwischen den Beinen hervor, was die meist männlichen selbsternannten Spiritismusforscher zu gerne von der Wahrhaftigkeit des unerklärlichen Phänomens überzeugte. Wer sich hierfür tiefer interessiert, der sei empfohlen, nach den folgenden Damen und Herren zu googlen:

Eva Carrière (Vor dem ersten Weltkrieg)

 

Kathleen Golighter

 

 

Mina Crandon

 

 

Helen Duncan

 

Eileen Garrett

 

Stanislawa P.

 

Jan Guzyk

 

Einer Nielsen

 

Natürlich waren nicht alle Medien, die Séancen abhielten, Betrügerinnen. Nicht wenige unter ihnen glaubten an das, was sie taten, und so gestanden ihnen die paranormalen Detektive (von denen es einige gab) gerne zu, nicht aus bösen Absichten heraus zu handeln. Hier wurde nicht getrickst und gekaukelt, hier waren Damen und Herren, die besonders sensibel waren für Stimmungen und Launen der Menschen um sie herum, die in echte Trance fielen und von dem berichteten, was sie währenddessen sahen. Wenn ihnen auch meist nachgewiesen werden konnte, dass dem, was sie sagten, jegliche Substanz mangelte, und ihre Voraussagen kaum je eintrafen, so legten die Skeptiker eben doch Wert darauf, ihnen einen guten Charakter zu bestätigen.

Unter diesen Detektiven tat sich einer besonders hervor – Harry Houdini hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Gesellschaft von den Scharlatanen und Lügnern zu befreien. Er tat dies nicht alleine; eine ganze Schar Frauen und Männer hatte er zur Verfügung, die Ermittlungen anstellten. Die spannendste unter ihnen dürfte wohl Rose Mackenberg gewesen sein, die sich verkleidet in spiritistische Sitzungen einschlich, die verschiedensten Rollen spielte und damit zu Ruhm gelangte.

 

In all das habe ich mich tagelang vertieft und im Grunde ließen sich zwanzigtausend Geschichten daraus machen. Doch es sollte eine werden, die zu meiner Emma passt. Und so geht es recht bald um einen Menschen, der das Totenreich besser kennenlernt, als er es wünschte …