Der verschwundene Professor

„Emma Liebes, hör bitte mit dem Geklimpere auf! Immerzu dieser Bach.“
„Beethoven, Tante Sybil, ich klimpere Beethoven.“
„Bach! Beethoven! Das ist doch einerlei. Spiel etwas Beschwingtes, wenn es schon sein muss.“

Im Jahre 1926 führt die junge Emma ein behütetes Leben bei ihrer Großmutter in England und die ständigen Zankereien ihrer Tante sind schon das Dramatischste, was sie erlebt. Doch eines Tages erreicht sie ein Brief, der sie glauben lässt, ihr Vater befinde sich in Gefahr. Sie reist in ihre Heimatstadt Bonn, um herauszufinden, was passiert sein mag. Ein Hindernis allerdings ist ihre Schüchternheit: Emma ist keine Heldin, die sich ins Abenteuer stürzt, doch umso mutiger ist es, ihm nicht auszuweichen. Doch nicht allein die Suche nach dem Vater ist es, die sie bewegt, denn gleich zwei junge Herren umwerben sie und das verwirrt sie mehr, als sie zugeben mag. Emma muss lernen, mit den neuen Freiheiten umzugehen, muss sich entwickeln und reifen.



Wie kam ich auf diese Geschichte?

Sehr, sehr spontan. Zwar lebte das Fräulein Schumacher bereits seit zehn Jahren in meiner Fantasie – unter anderen Namen, mit anderer Vergangenheit und deutlich kecker -, doch an das ernsthafte Niederschreiben dachte ich nicht, sieht man von einigen zusammenhanglosen Szenen einmal ab. Und dann während eines Hundespaziergangs stand Emma vor mir und erklärte, sie habe lange genug die brave Enkelin gegeben und wolle nun endlich Abenteuer erleben. Zur Zeit befände sie sich in Cornwall, aber sie mache sich unglaubliche Sorgen um den geliebten Papa und wenn ich nicht endlich helfen wolle, dann wisse sie nicht, was tun.
Ich kam nach Hause und setzte mich in die Sonne und fing an. Erstaunt und ziemlich begeistert stellte ich fest, dass Professor Heinrich August Schumacher Ägyptologe ist – das musste unbedingt ein reizender alter Mann sein und gewiss mussten Emma und ich manches gemeinsam haben, wenn sie auch nur den Hauch eines Interesses am Fachgebiet ihres Vaters hatte. Ich schrieb also und glaubte noch bis zum letzten Kapitel, ich würde es niemals schaffen, ein ganzes Buch zu schreiben.  Um dann sofort an Emmas nächstes Abenteuer zu gehen …

Weshalb arbeite ich diesen ersten Roman nicht um, obwohl die Geschichte nur langsam in Fahrt kommt und heute doch alle nur Rasantes lesen möchten?

Weil genau diese Geschichte perfekt zu der noch jungen und unsicheren Emma passt. Sie traut sich nicht allzu viel zu und ist daran gewöhnt, von allen als das zarte und kränkliche Kind behandelt zu werden. Zu gerne auch lässt sie sich immer wieder in ihren Sorgen beruhigen, sie hörte ja stets auf den Rat ihrer Verwandten. Sie ist keine Wonderwoman, die innerhalb weniger Sekunden sich in eine Heldin wandelt. Gerade ihre Schüchternheit und Unerfahrenheit sind es, die sie mir so lieb machen – wäre sie eh schon mutig und selbstbewusst – wo läge da ihre große Leistung?