• Beitrag veröffentlicht:15. Oktober 2022
  • Beitrags-Kategorie:Bonn

Warum befindet sich meine Rechtsmedizin in der Universität?

Echte und Fiktive Orte bei Fräulein Schumacher Das Bonn, durch das Emma und Kommissar Wertheim laufen, unterscheidet sich in vielem von dem Bonn, das wir heute kennen. Nicht nur, weil ein komplettes Viertel den Kriegsgelüsten eines Führers zum Opfer gefallen ist und manch anderes dem Geschmack der nachfolgenden Jahrzehnten, sondern auch deshalb, weil ich mir gelegentlich Freiheiten genommen habe darin, wo und wie ich Handlungsorte angelegt habe.In den allermeisten Fällen verwende ich Geschäfte, Lokale und Hotels, die im betreffenden Jahr des Romans existierten. Eine Ausnahme habe ich vielen Tatorten gemacht: Den Salon von Madame Mirabeau beispielsweise gab es so wenig wie das Modeatelier Dezière. Im letzten Tanz habe ich einige Tanzlokale erfunden, da ich in dieser Hinsicht nicht viel finden konnte in dem Recherchematerial,…

  • Beitrag veröffentlicht:13. Oktober 2022
  • Beitrags-Kategorie:Bonn

Die Villen der Bonner Gründerzeit

Rund um die Poppelsdorfer Allee, die auf das Kurfürstliche Lustschloss und den Botanischen Garten zuführte, entstanden zum Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr Straßen. Wo sich bislang ein Wanderpfad hoch zum Venusberg schlängelte oder auf kaum befestigten Wegen Bauern ihre Waren in die Stadt fuhrwerkten, wurde nun Wohnraum geschaffen für die neu hinzuziehenden Rentiers, die Professoren und Gelehrten, die reicher werdenden Geschäftsleute und Fabrikanten. Auch den niedrigen Adel, Angehörige des in Bonn reichlich vertretenen Militärs und vornehme, ältere Fräulein zog es hierher. Wer sein gutes Auskommen hatte, baute hier oder zog als Mieter in die prachtvollen Neubauten. War man Millionär oder stand der Kaiserfamilie nahe, bevorzugte die Nähe zum Rhein - so blieb man in der Südstadt weitestgehend gut bürgerlich unter sich. Mehr oder…

  • Beitrag veröffentlicht:12. Oktober 2022
  • Beitrags-Kategorie:Bonn

Der Bonner Hofgarten

Der Park nahe am Rhein hatte im Laufe seiner Existenz viele Wandlungen durchgemacht, doch nie war er völlig zu dem geworden, was Kurfürst Joseph Clemens und nach ihm Kurfürst Clemens August im Sinn hatten. Ein Park so prächtig wie in Versailles sollte es werden; es waren Terrassen geplant, Stufen und Wasserwerke, Obstgärten und dekorative Schutzwälle, doch nur die doppelte Lindenallee links und rechts neben den nach französischem Vorbild angelegten Ziergärten und ein Brunnen dort, wo später die Anatomie von Schinkel erbaut wurde, sollten fertiggestellt werden.Nachdem 1777 das kurfürstliche Schloss bei einem fünf Tage andauernden Brand zerstört worden war, fehlte es an Geld für die Gartenanlage; es fehlte so sehr, dass sogar das Schloss nur eingeschossig wieder aufgebaut wurde und sich statt der geometrisch angeordneten…

  • Beitrag veröffentlicht:28. August 2022
  • Beitrags-Kategorie:BonnHedwig 1882

Hedwig 1882: der erste Band

Aufbruch Dienstag, 14. September 1897 Dieser Dienstag entschied ihr Schicksal. Wobei Hedwig nicht an das Schicksal glaubte, sonst hätte sie gestern schon geahnt, was kommen würde. Doch alles war gewesen, wie es immer war: nichts als Plackerei und Streit, Streit und Plackerei. Wie jeden Tag hatte sie von morgens fünf bis nachts um elf geschuftet und dafür nichts als Mutters wehleidige Klagen und Vaters betrunkene Beleidigungen erhalten. Und das billige Mitleid der Nachbarn, denen im Grunde gleichgültig war, wie es ihr ging. Würde es sie kümmern, dann wäre schon mal einer von ihnen dazwischengegangen, wenn Vater den Gürtel schwang.Stattdessen hatten sie Verständnis für ihn und mahnten Hedwig, sein Verhalten zu verzeihen. »Der hattet ja nicht leicht«, sagten sie, »mit dem lahmen Bein und deiner…

  • Beitrag veröffentlicht:11. Juni 2022
  • Beitrags-Kategorie:Bonn

Arbeitgeber des Dienstmädchens

Denken wir an Dienstmädchen, dann kommen uns vermutlich dieselben Bilder und Filme in den Sinn. Wir denken vielleicht an das Haus am Eaton Place oder an Dontown Abbey, wo die Dienstboten im Kellergeschoss ihr eigenes Reich hatten, das streng hierarchisch geordnet war. Wir denken vielleicht an Filme, in denen hübsche Zofen ihre eitlen Herrinnen in enge Korsetts schnürten (und von Korsetts wollen wir jetzt nicht reden, das Faß mache ich ein anderes Mal auf ...) oder in denen noch hübschere Stubenmädchen dem Hausherrn entweder schöne Augen machten oder sich von ihm Frechheiten gefallen lassen mussten. Vielleicht erinnern wir uns auch an Schwarz-Weiß-Filme wie jenen, der die Vokabel 'Gaslighting' schuf und in dem Ingrid Bergman als Hausherrin unter einer intriganten Angela Lansbury als Zofe zu…

  • Beitrag veröffentlicht:9. Juni 2022
  • Beitrags-Kategorie:Bonn

Die Rheingasse

Über Jahrhunderte war diese nicht allzu breite Straße einer der wichtigsten Wege vom Rheinufer hin zur inneren Stadt. In der Rheingasse ließen sich gute Geschäfte machen, hier erhielt man vielleicht einige Stunden vor allen anderen Mitbürgern die neuesten Nachrichten, die mit den Schiffern über den Strom herankamen. Wo Händler, Reisende und Beamte täglich hindurch mussten, siedelten sich Handwerker jeder Zunft an; Arbeit gab es hier mehr als genug. Und weil das Flicken, Knüpfen, Schmieden Hunger bereitete und dazu einige Adelshöfe gute Aufträge zu vergeben hatten, waren Bäcker, Metzger und Gastwirte nicht fern. Bis 1944 hielten sich die ältesten Gasthäuser Bonns in der Rheingasse, die unter verschiedenen Namen von 1535 an reichlich Besuch hatten. Erwünschten ebenso wie unerwünschten: Durch diese Gasse ritten die bewaffneten Anhänger…

  • Beitrag veröffentlicht:2. Juni 2022
  • Beitrags-Kategorie:Bonn

Das unsichtbare Dienstmädchen

Um es einmal kurz und verkürzt zu sagen: So rasant der Fortschritt in den Jahren ab 1890 auch verlief, so sehr ging er am Hauspersonal vorbei, das zu bald 100 % weiblich war. Und zwar in jeder Hinsicht. Die Erwartungen, die an die meist jungen Frauen gestellt wurden hinsichtlich Fleiß, Tugend und Verfügbarkeit, unterschieden sich kaum von denjenigen, die man an eine Sklavin gestellt hätte. Ging es um Arbeitsschutz und soziale Verbesserungen, so waren Dienstmädchen sogar explizit ausgeschlossen. Eine Arbeiterin in der Fabrik hatte deutlich mehr Rechte als die Frau, die sich in einer bürgerlichen Familie um Kinder, Haushalt und Küche kümmerte. Nicht einmal kündigen konnte sie, wenn es ihr zu viel wurde - sie musste den Wechseltag abwarten, der regional unterschiedlich ein- bis…

  • Beitrag veröffentlicht:1. Juni 2022
  • Beitrags-Kategorie:Bonn

Geschichtliches und Gendern

Wie jetzt? Gendern und historisches Bonn? Muss das sein? Fange ich jetzt auch noch an, alles mit Binnen-I oder Sternchen oder was auch immer zu nerven? Was kann ich dazu sagen? Ja und nein am besten.Ich bin keine Freundin des Genderns. Allerdings: Wer sich jetzt freut und denken, ich verträte die Ansicht, Frauen sollten sich mal nicht so haben, weil es ja sooo offensichtlich sei, dass sie mitgemeint sind, der irrt sich gewaltig. Es besteht nämlich für mich ein Riesenunterschied zwischen schriftlichem Gebrauchstext und einem Roman. In einem Roman nämlich erwarte ich, dass die Autorin oder der Autor sich die läppischen zwei Sekunden nimmt, um beispielsweise etwas wie 'Meine Damen und Herren', 'Liebe Schülerinnen und Schüler' oder 'All meine Freunde und Freundinnen' zu schreiben;…

  • Beitrag veröffentlicht:27. Mai 2022
  • Beitrags-Kategorie:Bonn

Das Bonn der Jahrhundertwende

Das Projekt, für das ich mit ganz viel Glück das Stipendium von Neustart Kultur erhalten habe, bringt mich dazu, ganz tief einzusteigen in die Recherche; bislang habe ich ein kleines Vermögen für antiquarische Bücher, Schriften und Magazine ausgegeben, die größtenteils aus den Jahren 1890-1910 stammen. Das erste Thema war das Leben der Dienstboten in dieser Zeit, wobei die männlichen Hausangestellten zu vernachlässigen sind; sie stellten keine zehn Prozent mehr. Es waren vor allem junge Frauen, Mädchen sogar, die in diesem Bereich tätig waren. Aber dazu gerne ein anderes Mal mehr.Das zweite Thema ist meine Heimatstadt, in der Hedwigs Geschichte zum Großteil spielt. Es ist ein Bonn, das sehr, sehr anders aussah als das, was wir heute kennen. Natürlich gibt es einige Plätze und Straßen,…

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