• Wunderbarer Kleiderschrank

    Noch mehr Farben, noch mehr Du

    Ich gebe zu: ich habe den Überblick verloren, was die noch offenen Fragen anbelangt. Wenn heute noch Antworten offen bleiben sollten: schreit! Ich möchte ja mein Bestes tun, um einen süßen kleinen Teil der weiblichen Deutschsprechmenschheit vor dem ewigen Schwarz (der Verderbnis, der Hölle – außer für die, die phänomenal darin aussehen!) zu retten. Oder – schlimmer noch – vor Fehlfarbberatungen. Das Problem bei mir ist meine Neigung zum Dahinschreiben und da liest die Eine oder Andere verständlicherweise nicht genau: Tut es euch nicht an, irgendwelchen Onlineberatungen zu sehr zu vertrauen. Ich habe mir gestern nacht die Zeit genommen, mich auf etwa 14 Seiten zu testen und keine Einzige dieser Seiten hat mir wirklich das gesagt, was auf mich zutrifft. Natürlich bin ich einige Male korrekt als Sommer identifizier worden, die Eine oder Andere hat mir auch – trotz Fehlkategorisierung als Herbst oder Frühling – viele richtige Farben gezeigt und verschiedentlich wurde das Ganze dann sofort in eine Stilberatung gewandelt: der Sommer ist wahlweise rüschig oder konservativ-spießig. Es gab gar Seiten, die sich an die Analyse meiner Persönlichkeit wagten (unergründlicher Eisberg und so Zeug – ich lach mich weg) und wieder Andere, die sich um mein Seelenheil sorgten, da mir das lebenswichtige Orange fehlen würde und ich zur Vermeidung von Krankheiten unbedingt diese Farbe im Wohnbereich einsetzen müsse. Also bitte: nehmt das nicht zu ernst. Es ist mir ein Rätsel, wie eine wirkliche Farbberaterin solche Tests in ihre Homepage einbauen kann: weshalb soll ich noch zu ihr gehen und wie kann sie mir später erklären, dass ich doch ein anderer Typ bin? Und wieso sind fast alle Make up-Empfehlungen für meinen Typ rund um Schweinchenrosa aufgebaut?

    Deshalb möchte ich ein kurzes Fazit ziehen, wo wir bis jetzt stehen:

    1. Das Farbspektrum lässt sich in warme, also gelbstichige und in kühle, nämlich blaustichige Farben unterteilen. Diese beiden Gruppen wiederum lassen sich in leuchtend-klare und in gedeckte Töne trennen, so dass wir vier Grupppen erhalten: warm-leuchtend, warm-gedeckt, kühl-gedeckt und kalt-leuchtend.
    2. Gleiches gilt für unsere persönlichen Farben – also für Haut und Haar: hier entscheidet ein Melanin über kühl und warm und die Verteilung/Häufigkeit desselben zusammen mit Durchblutung, Haut- und Haardicke über die Tiefe und Leuchtkraft dieser Farben. Wiederum erhalten wir die vier o.g. Gruppen.
    3. Auch wenn manche Seiten es gerne herunter beten: es gibt keine Mischtypen. (Das ist genauso wie der idiotischste Ausdruck von allen: Mischhaut! Lasst mich kurz schreien, so ein Schwachsinn, aber wenn ich hier erst anfange, bin ich vor Ende des Jahres nicht am Ende…) Aber dazu – zu den Mischtypen gleich mehr.
    4. Nicht jeder Typ hat alle Farben! Hier kommt die Angst der Verkäufers ins Spiel: wenn ich meiner Kundin, die Braun liebt, sagen muss, dass in ihrer Palette kein Braun ist – kauft die dann was?  Da sage ich doch lieber: alle Paletten habe alle Farben, es kommt nur auf die Nuance an … Blödsinn. Alle Typen haben viele Farben und es kommt auf die Nuance an, aber der Sommer wird nie irgendeine Form von Orange haben, der Winter nie irgendein Braun, der Herbst keinen Blauton und der Frühling keine Form von Rosa. Basta! Das ähnlichste zu diesen Farbbeispielen ist das ganz zarte Zitronengelb für den Sommer, Neonorange oder Schwarz für den Winter, deutlich grünes Petrol für den Herbst und Lachs/Apricot für den Frühling. Und jede, die gelernt hat, mit ihren Farben umzugehen, wird den Mangel nicht oft vermissen.
    5. Haare färben, starkes Make up, Sonnenbank können zwar bei knapp danebenliegenden Farben ausgleichen, aber verändern den eigenen Farbtyp nicht – eine falsche Haarfarbe wird nur dafür sorgen, dass man älter, müder, trauriger aussieht. Und dass die Idealfarben sich mit den Haaren beißen … Kommt dir der Friseur mit: “Wie wäre es mit einem frischen Goldton?”, wenn deine Haare eher aschig-gräulich wirken – dann nichts wie weg, es gibt keinen sicheren Weg, als sich in Zukunft Komplimente über die frische Haarfarbe einzufangen. Und die freundliche Nachfrage, ob es einem denn nicht gut ginge …

    Aber die leidige Frage nach dem Mischtyp ist noch offen. Auch der Fakt, dass manche in jeder Farbe gut auszusehen scheinen. Wie denn, wo denn, was denn – kann das sein? Eigentlich nicht. Hier spielen einige andere Faktoren mit:

    Bei Kindern ist es sehr oft nur schwer zu erkennen, was ihnen steht und was nicht. Ihre Haut ist fast immer prall, glatt, rosig, die Haare fast immer hell und flaumig. Alles, was sie tragen, ist schlicht nebensächlich: die Augen leuchten immer und sind stärker als alle Farben drumherum. Es ist nur manchmal so, dass sie in einigen Kleidungsstücken BESONDERS leuchten und in manchen etwas quengeliger wirken, aber ist man bei Kleinkindern nicht eh immer mit anderem beschäftigt als mit dem Erforschen der Idealfarben besagten Kindes?

    Dann gibt es aber Erwachsene, bei denen die Bestimmung auch schwierig sein kann und hier gibt es zwei Varianten: die Einen scheinen in allem zu strahlen, die Anderen sehen immer ausgewaschen aus.  Und auch das kann an zweierlei liegen: die Person ist insgesamt eher farblos. Oder sehr strahlend. Und das gilt für die Farben wie die Persönlichkeit … 🙂 Diese beiden Varianten haben wieder die beiden Möglichkeiten: es steht ihnen scheinbar alles. Oder nichts. Also:

    Person A ist sehr still, sehr blass, sehr unauffällig. Mit der richtigen Farbe könnte aus der Stille Zurückhaltung, aus der Blässe Zartheit und der Unauffälligkeit Eleganz werden – und diese Verwandlung ist intensiver als es sich anhört! Es könnte aber – wenn sie zu unserer Problemgruppe gehört – sein, dass sie

    • sich wie ein Chamälion jeder Farbe anpasst und darin aufgeht, lebendiger wirkt
    • oder jede Farbe sie zu erschlagen scheint – was oft an der Unsicherheit der Person selber liegt, ohne nun hier zu pseudopsychologisch herumspielen zu wollen.

    Das ist aber beides sehr, sehr selten. Erlebt habe ich das wohl dreimal. Etwas öfter habe ich gesehen, dass jemand insgesamt sehr “laut” war, also sehr starke eigene Farben hatte und dazu einen extrovertierten Charakter. Person B: Ein tiefroter, großer Mund, sehr große türkisblaue Augen, ganz helle Haut, schwarze Haare mit grauen Strähnen, viel Figur, ausladende Gesten, immer ein Lachen dabei – diese Frau hat jeder Farbe noch etwas abgegeben. Auch da ist es schwer, sie einzuordnen: den Farben nach ganz klar ein Winter (ja, manchmal lässt sich das sagen), aber spätestens wenn sie in Wasserleichengrün, Silbergrau und Ocker noch toll aussieht, kommt man ins Grübeln 😉 Es gibt einfach Menschen, deren eigene Farbgebung und deren Wirkung auf ihre Umwelt sie in keiner Farbe wirklich elend aussehen lassen – hier muss man ganz genau nach dem Extraschuß an Leuchtkraft schauen, um die idealen Farben benennen zu können. Aber auch das ist sehr selten.

    Das sollte die Frage nach: Steht mir nicht doch alles? in etwa abgehandelt haben, oder? 🙂

    Da war noch die Frage “Was tue ich, wenn meine Persönlichkeit und meine Palette so gar nicht übereinstimmen wollen?” Finde ich ganz spannend und ich behaupte mal, dass das vor allem eine Frage ist, die sich auf Wintertypen bezieht. Sommer und Frühling verfügen beide über die weitesten Möglichkeiten in Bezug auf Dezenz und Auffälligkeit und sollten immer etwas finden können, das ihrer momentanen Gefühlslage entspricht. Der Herbst könnte sich über die sehr gedeckte Palette Gedanken machen, aber wird hier mehr Drama gewünscht, so lässt sich das mit den Beerentönen und auffälligem Schmuck in Gold und Bronze leicht erreichen. Aber der Winter mit all seinen leuchtenden Divafarben, mit seinem Platinschmuck? Das kann schon mal schwierig sein im Beginn, denn wir haben uns daran gewöhnt, Smaragdgrün, Knallpink, Stahlblau, Diamanten und schwarze Katzenaugen mit dem ganz großen Auftritt zu verbinden. Wer bei dieser Aufzähling nicht MM in pink singend, Elizabeth Taylor mit Riesencolliers und überhaupt die Oscarverleihung vor Augen hat, der hat in den letzten drei Jahrzehnten nie beim Friseur in Zeitschriften geblättert oder den Fernseher angestellt. Wie gehe ich damit im Alltag um, wie damit, dass ich auffalle? Hmm, ich neige dazu, zu sagen: Da musst du durch. 🙂

    Du kannst es dir leicht machen und das heute so unauffällige Schwarz tragen. Oder weiß. Oder beides. Und daran schuld sein, dass nach deinem Anblick im schlichten schwarzen Rolli zu Caprihosen oder im weißen Shiftkleid mit schwarzer Applikation sämtliche Frauen, die einen Blick auf dich warfen, loseilen, um sich selbiges zu besorgen, weil Farbe hin oder her, Schwarz eben doch das Schönste überhaupt ist. Was ärgerlich ist, denn nur DU siehst darin wirklich umwerfend aus. Du bist die Einzige, die nicht blass, krank, langweilig oder verhuscht wirkt, wenn sie es trägt. Die Einzige, die im schwarzen engen Rock zur weißen Bluse NICHT um die Getränkekarte gebeten wird. Und ich habe das wirklich oft erlebt, dass Frauen, frisch als Winter diagnostiziert, sich nur dank Schwarz und Weiß mit ihrem harten Schicksal versöhnen liessen, denn auf den ersten Blick ist die Winterpalette nicht nur (scheinbar!) weniger alltargsgeeignet, nein, die Palette ist auch viel begrenzter als es beispielsweise der Sommer ist mit seinen Endlosvarianten an Grau und Blau oder als der Herbst mit all seinen Nuancen. “Aber immerhin: wenigstens Schwarz und Weiß darf ich tragen …!” so schluchzte das arme Opferlämmchen wohl gerne einmal. Wie schön, dass damals auf dieser Farm die allermeisten meiner Kundinnen Jahr für Jahr wieder vor mir standen und ich erleben durfte, was sich da so tat … glaubt mir: ich habe einige Jahre mit meinem Beruf gehadert, der als so oberflächlich und nutzlos galt/gilt. Aber keine femistische Errungenschaft, so weh es tut, wird Frauen dazu bringen, so ganz und gar bei sich selbst zu hin wie das Bewußtsein erreicht zu haben: “So bin ich, so bin ich gut und ich habe das Möglichste aus MIR gemacht – wo immer ich hinkomme, kann ich andere gelten lassen, weil ich mich mag.” Hört sich mächtig an? Mächtig übertrieben? Mädels, ehrlich, ich könnte Geschichten erzählen, da heult ihr vor Rührung.

    Wenn also ein Jahr später die eher schüchterne Dame, die auf gar keinen Fall ohne Beige und Braun auskommen will, am Begrüßungsabend in einem rasanten stahlblauem Rock mit weißer Bluse vor dir steht und den Willkommenscocktail ablehnt, weil sie schon von diversen Herren mit Schampus abgefüllt werden sollte, wenn sie die Blicke, die da kommen, lässig mit einem Lächeln quittiert, wenn die “dicken” Beine, die sie im letzten Jahr so hasste, nun liebevoll mit schönen Strümpfen versorgt werden – ist das nicht klasse? Manchmal braucht es vielleicht nur einen kleinen Schubs und nur ganz wenig Mut, um sich zu trauen, anders zu sein – letztendlich sind wir doch alle stolz darauf, nicht nur Masse zu sein, oder?

    Von hier aus komme ich ganz leicht zu dem letzten Punkt: Manchmal ist uns aber danach, zu verschwinden. Manchmal fühlt man sich elend, krank, traurig, einsam, wütend – was auch immer und will das auch zeigen (na, oder eben auch nicht, sondern einfach nur untertauchen). Will man sich dann überhaupt sorgfältig zurechtmachen, toll aussehen? Nein. Das sind dann die Tage, an denen das braune Shirt, die alten Jeans, die maustotgraue Mütze heraus gezogen werden. Und soll ich euch was sagen? Wenn das eine (fast) bewußte Entscheidung ist und nicht zu einer Routine wird, aus der man Jahre später erstaunt und traurig erwacht, dann ist das nicht nur ok, sondern meiner Meinung nach gesund. Jawohl! Wenn es mir beispielsweise krank und elend zumute ist, ich aber unbedingt eine Arbeit im Büro beenden will – warum eigentlich soll ich dann so tun, als wäre alles ok und mich in eine strahlende Schönheit verwandeln, die dynamisch und kompetent wie immer ihren Job erledigt? Dankt mir das einer, wird das als Leistung wahrgenommen? Komme ich stattdessen mal mutig ungeschminkt in dem beigen, weichen Pulli, der mich auch noch krank aussehen lässt, mich aber warmhält, dann werde ich zehnmal gefragt, ob ich denn nicht besser im Bett bliebe. Aber ich bin tapfer, erledige die wichtige Arbeit, verabschiede mich danach mit vielen herzlichen Besserungswünschen und bleibe am Tag danach zu Hause. Und komme gesund und strahlend in meinem Farben wieder und heimse Komplimente ein 😉 Macht doch Sinn, oder?

    Oder ich bin in Liebeskummer versunken und will niemanden sehen? Dann will ich nicht in den Spiegel schauen und mich toll finden – ich will ein paar Tage darin baden, will mich elend fühlen und gefälligst auch so aussehen. Solange, bis ich mich nicht mehr sehen KANN und den Idioten, der mich dazu gebracht habe, in die Hölle geschickt habe und wie Phönix aus der Asche steige. So stellen wir uns das vor! 😉

    Aber wie immer fällt mir noch was ein: sich selbst zu analysieren, vorm Badezimmerspiegel mit diversen Stoff- und Kleidungsfetzen, ist nahezu unmöglich. Es ist wie mit Parfum kaufen: die Nase kann maximal drei Düfte unterscheiden, danach riecht alles gleich. Bin ich ungeübt, dann sehe ich nach kurzer Zeit auch keinen Unterschied mehr, dazu braucht es doch etwas Anleitung. Es ist natürlich gemein, so ausführlich über das Thema zu schreiben und dann nicht zu sagen: “Simsalabim, und du bist ohne jeden Zweifel … dies, das und jenes.” Dafür kann ich mich nur entschuldigen, wenn ihr nun mit wässrigem Mund dasitzt. Und abschließend (so nicht noch Fragen kommen) möchte ich mich auch bedanken:

    Für all die lieben Danksagungen und Beiträge von eurer Seite, ich habe ehrlich nicht geahnt, dass das Thema so interessant ist, weil es für mich so selbstverständlich ist. Ich war ernsthaft gerührt, dass so viele den Wert meiner Zeit mit einem ausdrücklichen Danke geehrt haben. Es war mir aufrichtig eine Freude. Wofür bloggen wir denn, wenn nicht, um auch ein klein wenig zurück zu geben?

  • Wunderbarer Kleiderschrank

    Mehr Farbe, mehr Beratung

    Bin schneller da als gedacht: Kind holen, Essen kochen, Essen essen, wegräumen, den Beitrag Korrektur lesen (wenn ich so holperdiholper schreibe, muss ich das mit etwas Abstand tun und bei der Farbengeschichte ist es mir wichtig) et voilà: weiter geht es. Wie weit, weiß ich noch nicht. Will ja heute wirklich nähen!

    Wir haben also bei den Farben insgesamt und bei unseren genetisch bestimmten eigenen Farben eine Übereinstimmung gefunden, was die Aufteilung anbelangt. Was nun damit beginnen? Ich habe euch mal einige Farbbeispiele gebastelt, die hoffentlich auch bei unterschiedlichen Rechnereinstellungen in etwa so ausfallen, wie ich es mir vorstelle.
    Nehme ich zwei Farben der gleichen Familie, so wird das Ergebnis (fast immer) harmonisch aussehen – es kann bei zu großer Nähe auch mal langweilig aussehen 🙂 Aber die Farben werden nicht miteinander in den Ring steigen und sich gegenseitig die Aufmerksamkeit stehlen. Kombiniere ich zwei Farben unterschiedlicher Familien, so kann das ausnahmsweise – oder durch herrschende Modevorgaben, an die sich unser Auge gewöhnt hat – richtig gut aussehen. Aber in den meisten Fällen wird unser Auge zwischen beiden Hin und Her wandern und sich ermüdet abwenden. Schlimmer noch: die Farben beeinflußen sich gegenseitig negativ. Intensives Pink kann an der richtigen Frau mit Schwarz, Smaragd, Knallblau oder Weiß unglaublich edel wirken. Kombiniert mit Rosa (wenn wir das auch immer wieder sehen) wird es kitschig, kombiniert mit Orange kann es zur Ausnahme kommen (an der richtigen Frau, im richtigen Verhältnis zueinander!) oder aber zum Augenkneifen, mit einer Farbe wie Ocker hingegen ist Pink schlicht ordinär – und Ocker wird dadurch auch nicht hübscher. Manchmal ist dieses Verhältnis zueinander nicht leicht zu sehen, fast immer aber zu erkennen:

    Immer vorausgesetzt, ihr seht in etwa das Gleiche wie ich, dann habt ihr links ein gedämpftes Dunkelblau (DER Sommerton überhaupt) und daneben ein kräftiges Pink (Winter). Auf der rechten Seite seht ihr das gleiche Blau mit einem zarten Rosé-Fliedergemisch. Beim ersten Bild erscheint das Blau ein wenig zu klassisch, etwas verstaubt – es kommt gegen das leuchtende Pink nicht an, was das Pink leicht schreiend wirken lässt. Beim zweiten Bild hingegen gewinnt das Blau an Tiefe, während das Rosé pudrig-zart wirkt. Beide Töne ergänzen sich, weil sie der gleichen Farbfamilie – kühl-gedämpft – angehören. (Bevor jemand jetzt denkt: “Ne, mir gefällt das Erste besser, die hat ja keine Ahnung!” – erst mal weiter lesen 🙂 )
    Drehen wir das Ganze einmal um:

    Jetzt haben wir ein sehr kräftiges Blau (Winter), das mit dem Puderton kombiniert wurde: Das Rosa, das mit dem Dunkelblau distinguiert wirkte, sitzt nun als Mauerblümchen in der Ecke – neben einer lauten Göre. Aber Knallblau und Pink kommen klar, beide wirken fröhlich, leuchtend. Natürlich nicht so zurückhaltend wie die Dunkelblau-Rosé-Kombi, aber nicht weniger harmonisch (vorausgesetzt, euer Rechner zeigt euch, was ich euch zeigen will …)

    Schauen wir uns die warmen Farben an:

    Es wird jetzt etwas schwerer, weil sich die richtigen Farben nicht so recht mischen lassen wollten: ein leuchtendes Orangegelb ist gar nicht so leicht zu finden 🙂 Aber das Prinzip ist das gleiche, wenn es auch bei den warmen Farben schwerer zu erkennen ist: eine kräftig-klare Farbe mit einer gedämpften Farbe zu kombinieren wird immer ein nicht perfektes Ergebnis bringen.

    Und hier bin ich an einem Punkt angelangt, der mich etwas unzufrieden macht: es ist hier, online, nicht möglich, euch alle Farben zu zeigen, die den einzelnen Jahreszeiten zugeordnet sind und schon gar nicht so, dass sie unverfälscht zu sehen sind. Ich kann nur so viel sagen: jede Farbberatung, die euch entweder auf GENAU die Farben im Paß festnageln will noch die Beratung, bei der es für jeden Typ jede Farbe in irgendeiner Form gibt, ist wirklich gut gelaufen. Es gibt keine hellblauen Töne für die warmen Typen, keine Goldtöne für Sommer und Winter, kein Grasgrün im kühlen Bereich und kein Rosa für den Frühling. Und es muss nicht dieses eine Korallenrot sein, das zu finden ist. Ganz vereinfacht gesagt, ist es in etwa so:

    Frühling:
    Die Farben erinnern an die Natur im Frühjahr: frisch und leuchtend, unverbraucht und bunt. Sonnige Töne eben: Grün in fast jeder Form außer den gedämpften Oliv- und Khakitönen des Herbstes. Orange von superknallig bis hin zu zartestem Apricot, solange es leuchtet. Gelb von oben bis unten bis auf das zarte Zitronengelb des Sommers. Als einzigen Blauton gibt es ein stark gelbstichiges Kornblumenblau. Und jede Farbe, die mit diesen harmoniert.

    Sommer:
    Stellt euch einen richtig heißen Tag am Meer vor – am besten die Nordsee (und da kann es ordentlich heiß werden) und ihr habt die Quintessenz dieser Farbfamilie: dunstiges Blau in jeder Variante. Dazu kommen auch die Shitwettertage: grau kann sehr edel und lebendig wirken – hier kann man aber auch schnell in die Langeweilefalle tapsen. Dazu kommen die Farben von müden, sommerheißen Blumen, die keine Kraft mehr für viel Farbe haben: nebenweiß (nicht creme oder eierschale, die gehören Frühling und Herbst), flieder, sämtliche Rosen- und viele Beerentöne (sobald sie zu sehr ins Bräunliche spielen, dann gehören sie dem Herbst). Aber auch viele Töne, die auf den ersten Blick hin kräftig wirken, gehören dem Sommer: kirschrot beispielsweise. Viele Farben lassen sich nur dann richtig zuordnen, wenn sie kombiniert werden – wer also beispielweise auf der Suche nach einem blauen Rot ist, nimmt sich einen blaugrauen Stofffetzen mit und hält gegen: lieben sich die Farben, dann her mit dem Stoff. Ansonsten: ne, das wird nichts. Ihr merkt, ich bin ein Sommer und gerate ins Quatschen.

    Herbst:
    Wie der Sommer auch mag der Herbst es dezent und zurückhaltend, auch wenn manche Farben durchaus leuchtend wirken. Natürlich sämtliche Herbstlaubfarben gehören hier hinein, viel frisches Obst kommt hinzu und dazu die Farben der Wüste, alles, was nach Abenteuer aussieht. Dazu kommen viele Petroltöne, wobei die Grenze zwischen den grünlichen Blautönen des Sommers und den bläulichen Grüntönen des Herbstes nicht immer eindeutig zu ziehen ist – da kann es durchaus einmal zu Überschneidungen kommen; ebenso im Beerenbereich. Herbst und Sommer sind – so unterschiedlich sie eigentlich sind, auch die beiden Farbfamilien, die am häufigsten miteinander verwechselt werden. Was sicher mit daran liegt, dass diese Typen am häufigsten vorkommen.

    Winter:
    Zumindest in Mittel- und Nordeuropa finden sich nur wenige Winterfrauen – Schneewittchen wird ja immer wieder als der perfekt Wintertyp definiert. Wer sich noch an Isabelle Adjani erinnert: das winterliche Ideal. Der Winter hat sehr starke eigene Farben und ist der einzige Typ, der wirklich, wirklich gut aussieht in Schwarz und Weiß. Sicher, die Mode hat uns dahin gebracht, dass Schwarz allen steht, aber nein: DAS ist neben Jeans sicherlich die größte Sünde wider die eigene Person. Schwarz will Kontrast, will einen gleichwertigen Partner und der findet sich selten. Dem Winter stehen daneben – bis auf Orange und Tomatenrot – sämtliche Knall-, Leucht- und Neonfarben und ist auch der einzige Typ, der diese Farben adelt. Daneben werden aber oft die Eisfarben vergessen: Farben, die so hell und leuchtend sind wie Nuancen frischgefallenen Schnees im Licht. Also sehr, sehr helles Blau, Geld, Rosa und Grün.

    Na, nun habe ich auch hier wieder mehr aufgezählt als gewollt – wehe, das nützt nicht wenigstens einer 😉

    Aber immer noch fragt man sich, was hat das mit mir zu tun? Ich bin ja nicht ockerfarben, kann ich also Pink tragen? Das sind doch die wirklich wichtigen Fragen, nicht wahr? Nun, nur die wenigsten von uns sind ockerfarben – sollte eine hier denken: “Ach doch, ich bin ockerfarben.” dann würde ich vorsichtig raten, einen Mediziner aufzusuchen. Aber wenn auch nicht ockerfarben so mag man eben doch zur Gruppe des Ockers gehören, also eine warmstichige, gedämpfte Farbgebung sein eigen nennen. Und da muss eine Beraterin schon sehr geübt sein, um das auf den ersten Blick zu sehen. Es gibt Menschen, die man sofort einstuft und richtig liegt. Aber es kann auch schwer sein und damit komme ich zum ersten Haken:

    Es kann sein, dass man als Sommer geschaffen wurde, aber dennoch von der irischen Großmutter väterlichseits mit roten Haaren beschenkt worden ist. Dann greift manch eine Beraterin oder Internetseite zum Ausdruck Mischtyp, der ja vorhin auch schon mal im Kommentar erwähnt wurde – ich sage, nein, das gibt es nicht. Es kommt nur manchmal zu kleinen Spielereien der Natur 🙂 Ich hatte eine Kollegin mit eben jenen sehr roten Haaren, die aufgrund dessen immer als Frühling galt. Aber so recht überzeugend fand ich das nicht, denn aus der Frühlingspalette gab es nur weniges, was wirklich freundlich an ihr war. Welch ein Glück, dass sie mit Sommersprossen gesegnet war: die sind meist eindeutig hilfreich! Sind sie gräulich – kühler Farbtyp. Sind sie rotbraun – warmer Farbtyp. Ihre waren gräulich und bettrachtete man sich den Ansatz ihrer Haare, bevor das Tageslicht viel anrichten konnte (fast alle Haarfarben bauen sich unter UV-Licht über rot ab!), dann sah man ein rot, das leicht bläulich-dunkelblond schimmerte. Eine Rothaarige, die wirklich mal gut in Rosa aussah 😉

    Aber nun, meine Lieben, breche ich ab, mir brechen sonst die Finger – für heute ist es genug. Ob ich morgen dazu komme, weiter zu fahren – ich kann es nicht versprechen. Ich tue mein Bestes, schnell wieder zu schreiben. Vielleicht gibt es Fragen?

  • Wunderbarer Kleiderschrank

    Farbe und Beratung

    Ich stehe vor der Wahl, mich im eisekalten Keller an die Waschmaschine zu stellen, das Badezimmer zu putzen oder an meinem Kleid weiter zu werkeln – aber schon wissend, dass ich mittendrin werde aufhören müssen, um den Großen von der Schule abzuholen – was ein echtes Unternehmen ist: es ist so schweinekalt, dass auch mehrere Schichten mich nicht bis zum Gartentörchen warm halten können. Leider muss ich von da aus noch wenigstens eine Viertelstunde weiter (und wieder zurück) und das zu Fuß, ähm, zu Eisklump. Unser Auto hat den Geist aufgegeben. Mein Bügeleisen übrigens auch …

    Weil ich mein Kleid aber mit Liebe und in Ruhe weiter bearbeiten möchte, setze ich mich einfach mit Decke und dicker Strickjacke an die Heizung und blogge – so sitze ich nicht faul herum, wenn es auch dem Haushalt nicht weiterhilft. Aber ich war gestern so fleißig mit Sofas abledern und ähnlichem Gedöns und morgen wird eh geputzt – da gönne ich mir das. Bin ich überzeugt? Weiß ich nicht, aber alles was warm hält (Laptop wärmt ja auch …), ist legitim. Und kommt mir noch einer mit “Hach, wie schön, die trockene Kälte und die schöne Sonne!” … ich bin noch unentschlossen, was genau ich mit dem anstelle!

    Wo beginne ich? Ich bin jemand, der sich nicht gerne in Kästchen einschließen lässt, ohne dass ich dabei grundsätzlich so anders bin, so progressiv, so alternativ, so was auch immer. Ich fühle mich nur in großen Gruppen und in engsten Räumchen nicht wohl. Wieviel schlimmer, wenn beides zusammen kommt: Drei Figurtypen teilen etwa 40 Millionen deutsche Frauen auf – finde ich ganz schön knubbelig. Zwölf Sternzeichen charakterisieren unsere Persönlichkeit – gut, nimmt den Aszendenten und den Einfluss der chinesischen Zeichen unter Berücksichtigung der drei Doshas und den Störungen der Sonnenstürme hinzu, dann lässt sich daraus wohl etwas basteln, was irgendjemandem gerecht werden kann – aber eng ist es doch immer noch. Konfektionsgrößen kommen auch noch dazu – so ließen sich doch komplette Bilder erstellen, oder? “Frau, Steinbock, Aszendent irgendwas, 173 cm, Kleidergröße 36/38, H-X-Sanduhr-Säulen-Mix, Sommertyp, NR” – fehlt da was? “Gesichtsform oval-länglich” vielleicht noch? Hmmm ….

    Ich denke, ich habe hinreichend klargestellt und dargelegt – jetzt und in all den Jahren davor: Ich mag das nicht, auch dann nicht, wenn es nützlich sein kann. Nützlich? Ja, kann es sein, ich mache nämlich eine Ausnahme von der Regel, dass ich dieses Gruppieren nicht mag: bei den Farben, die zu uns passen. Wer jetzt aber zusammen zuckt und denkt, jetzt kommt die mir auch noch mit “Also, Korallenrot, das ist Ihre Farbe, hier ist hier Pass!”, der zuckt besser schnell zurück, denn da sind wir schon wieder bei dem, was ich so hasse. Et eß äwwer uch schwierisch mit mer, nä? (Hey, der Fastelovend steht vor der Tür, ich muss da bönnschen!!;-))
    Wie auch immer, genau dieses So-ist-das,-so-machst-du-das ist ja nichts für mich: wer mich dazu bringen will, etwas zu tun, der erklärt mir das und zwar zwingend logisch, ansonsten kann derjenige sich den Mund fusselig reden. Wer nicht erklären kann, warum etwas wie ist, weiß es selbst nicht und sollte dann nicht zu große Reden schwingen. Jemand, der sich Zeit nimmt und überlegt und nach Antworten sucht – der hat mich immer auf seiner Seite.

    Nun war meine erste Erfahrung mit einer Farbberatung aber genau von dieser Art und so habe ich auch später noch viele erlebt oder aus zweiter Hand erfahren. Da standen dann Frauen/Kundinnen vor mir, die mir sagten, dass das doch alles Mist sei, sie mögen nun mal kein Rosa und sowieso sei es fast unmöglich, genau die richtige Nuance wie in dem Paß zu finden. Ähm, ja, das ist es. Aber das ist ja auch gar nicht das, was mit diesem Paß passieren soll – da stand wieder einmal eine Sch…beratung hinter. Und der schnelle Abverkauf eines teuren Bündels bunter Karten nach einer Beratung, die manchmal nur eine halbe Stunde dauerte. Kreisch!!! Ihr seht, ich verliere mich in meine frühere Profession 🙂

    Gut, meine Erfahrung war so:
    Ich arbeitete als Kosmetikerin in einer Hotelfarm, eingestellt hatte mich der Chef des Hotels, was der Chefin der Farm nicht passte. Das erklärte sich schon aus dem Umstand, dass wir beide mit dem Gewicht kämpften, nur aus unterschiedlicher Richtung heraus. Dazu gefiel es ihr nicht, dass ich zu allem eine eigene Ansicht hatte – was natürlich stressig sein konnte. Besonders deshalb, weil die meisten Kundinnen es sehr schätzten, mehr zu hören als “Das macht Ihre Haut schön weich und geschmeidig … blablabla.” Lob an mir kam bei ihr als Kritik an ihr selbst an. Das hat mir das Leben dort zur Hölle gemacht und hätte ich damals den Ausdruck bossen schon gekannt, dann hätte ich gewußt, wie ich es hätte benennen können. Da war es der Dame ein gar großes Vergnügen, nachdem ihre Farbberatungsausrüstung ankam, mir zu erklären, ich hätte aber auch nicht geringste Ahnung, welche Farben mir stünden – worauf ich in den Genuß ihrer Farbberatung kam. Genuß schreibe ich jetzt durchaus mal ironiefrei: als Beraterin war sie eine Niete, denn es ging ihr darum, recht zu haben – nicht nur mir, sondern allen Kundinnen gegenüber. Und als weiteres Ziel stand der Abverkauf möglichst vieler Make up-Produkte und Seidenschals vor Augen. Auch etwas, was ich als Behandelnde immer gehaßt habe: wenn ich einer Kundin etwas beibringe, dann will ich das sacken und testen lassen. Der Verkauf – der sein muss, wenn ich essen will – kommt später von alleine. Ich schweife ab.

    Das Ergebnis war: ich bin ein Sommer, während ich mich seit meinem 21. Lebensjahr als Herbst verkleidet hatte – meiner hennaroten Haare wegen und weil mir die Idee der Farben zusagte. Nur Goldschmuck mochte ich nie und konnte auch nicht finden, dass er mir stand. Hmmm, da überlegte ich schon öfter hin und her. Natürlich erklärte mir die Dame nicht, warum ich ein Sommer bin und wie ich damit nun umgehe – es ging ja nur darum, mir zu beweisen, dass ich ein dummes kleines Puttchen war, das nun seine komplette Garderobe in die Tonne treten konnte 🙂 Es war kein schöner Tag, kein gutes Gefühl, wie sie nun mit Wonne auf meine durch die falsche Farbe schiefe Lippe, die leuchtenden Pickel, meinen dünnen Hals hinweisen konnte; mit jeder Minute wurde ihre Laune besser. ABER: je länger ich schaute, umso mehr sah ich, dass sie recht hatte.
    Nun, ein halbes Jahr später hatte der Chef des Hotels endlich einen guten Grund gefunden, die Dame loszuwerden – er konnte sie nie leiden – und mich auf ihren Platz zu hieven. Jetzt beschäftigte ich mich ernsthaft mit dem Thema, las und testete alles, was ich finden konnte und bot letztendlich den Dienst mit an – und bei mir ist keine raus gegangen und war unglücklich. Bin ich stolz drauf!

    Aber worum geht es nun genau: Die Farbberatung beruht auf der Erkenntnis, dass unsere eigenen Farben genetisch festgelegt sind und sich zwar verändern können, das aber nur innerhalb eines bestimmten Bereiches. Es gibt zwei Farbpigmente im Menschen, von denen jeder nur eine Sorte in sich trägt. Es handelt sich dabei um Melanine, das sind farbgebende Hornstoffe und Horn ist überall dort in großen Mengen zu Hause, wo der Körper mit körperfremden Stoffen in Berührung gerät – sämtliche Schleimhäute, aber für uns interessant vor allem in Haar, Haut und Nägel.

    Die Melanine sind zum Einen das Phaeomelanin, das gelblich-orange-braun ist und das Eumelanin, das gräulich-braun ist. Ihr seht schon: Ersteres ist ein sogenannter warmer Farbton – also mit einem deutlichen Gelbstich – während das Andere dem kühlen Farbbereich – also bläulich – zuzuordnen ist. Und nur eines von beiden tragt ihr in euch. Damit ist festgelegt, ob euch warme oder kühle Farben besser stehen.
    Nun lassen sich Haut und Haar noch weiter unterscheiden: abhängig von der Anzahl der Pigmente ergibt sich ein sehr zarter Hautton, hellblaue Augen und sehr hellblonde Haare (kaum Pigmente vorhanden) bis hin zu sehr dunkler Haut, schwarzen Augen und Haaren (sehr viel Pigment vorhanden). Auch das ist genetisch vorgegeben und ändert sich nur minimal durch Sonnenbräune oder Alter (wenn die Produktion der Farbstoffe nachlässt). Aber immer noch sind die vorhandenen Pigmente an ihr Farbschema warm oder kalt gebunden. Auch die Stärke der Durchblutung, die Dicke der Haare und Haut spielt bei der Farbgebung eine Rolle und auch diese ist weitestgehend festgelegt. Diese Faktoren bestimmen nun die Stärke oder Transparenz der eigenen Farbe und deren Leuchtkraft: so können die eigenen Farben leuchten oder eher dezent durchscheinend sein.
    Somit kann ich unsere natürlichen Farben in vier Gruppen einteilen: die warm-leuchtenden oder warm-gedämpften Töne und die kühl-gedämpften oder kalt-leuchtenden Farben. Damit habe ich schon die Vierer-Gruppierung, wie wir sie von der Farbberatung her kennen. Nun gibt es hier noch einen kleinen Haken, aber zu dem kommen wir dann später – ich befüchte viel später. Konnten alle bis hierher folgen? Wie sehr ihr euch auch schminkt, in die Sonne legt, altert, färbt oder sonst etwas tut: diese Farbgruppierung ändert sich nicht. Gut 🙂

    Jetzt vergessen wir das für den Moment und wenden uns den Farben zu – nicht nur der beschränkten Anzahl, die der Mensch so von Natur aus mitbringt, sondern ALLEN. Hach, wat is et doch schön, nä? Und wir alle erinnern uns an die Grundschule, an den Malunterricht, an das Farbenspektrum, an Wasserfarbenpanscherei und die schmuddelig-braunen Wassersoßen, die später im Spülbecken landeten. Und wir erinnern uns weiter an die drei Grundfarben, die da sind – na, wer zeigt auf? Keiner? Ok, ich sage es: es sind Blau, Gelb und Rot. Und die aufmerksame und schlaue Leserin wird sich nun schon an die Stirn fassen und sagen: “Blau und Gelb – das hatten wir doch heute schon einmal?” Ja, richtig, du schlaues Mädel. 🙂
    Blau – kühle Farbe – Eumelanin – kühles Pigment. Gelb – warme Farbe – Phaeomelanin – warmes Pigment. Äh, und was ist mit Rot? Rot vergessen wir erst einmal, kommen wir nachher zu und jetzt komme ich mir vor wie der Schnauz in der Feuerzangenbowle … “und hinge dat Loch, dat kräje mer später!”
    Aber nun haben wir schon die Aufteilung in blaustichige Farben und in gelbstichige Farben – in warm und kühl. Nun nehmen wir einen weiteren Faktor hinzu: Das Spektrum von Weiß über Grau zu Schwarz. Stellen wir uns diese Farben als transparent bis undurchsichtig vor und legen sie über unsere Farben von Blau zu Gelb, Grün zu Lila – so ändern wir ihren Eindruck: mit einem Hellgrauschleier wirken die Farben gedämpft, belassen wir sie pur, so erscheinen sie leuchtend. Und wieder haben wir es geschafft: wir haben eine Vierergruppe von warm-Leuchtend, warm-gedämpft, kühl-gedämpft und kalt leuchtend.

    Und jetzt habe ich richtig viel Zeit hier verbracht und lasse euch mit diesen Erkenntnissen ein Weilchen alleine. Die wesentlichen Fragen wollen noch beantwortet werden: wie erkenne ich die Farbfamilie – bei mir und bei den Farben vor mir? Wieso verändert mich die richtige Farbe? Wie gehe ich mit einem Farbpaß um, wenn ich denn einen habe? Schränkt mich das nicht unnötig ein? Können wir unsere Städte schöner machen? Wollt ihr das hören?