• Wunderbarer Kleiderschrank

    Wunderbarer Kleiderschrank: raus, raus, raus! Raus?

    Immer schon habe ich an meinem Kleiderschrank Freude gehabt. Immer schon hatte ich den Hang – lange bevor ich die Farbberatung entdeckte – alles zueinander passend haben zu müssen. Und immer schon habe ich regelmäßig und gnadenlos aussortiert. Manches Mal bereute ich Wochen später den Verlust eines Kleidungsstückes, das ich an eine Freundin weitergab. Und packte bei der nächsten Aktion die Aussortierten in einen Karton unters Bett bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich meinte, sie zu vermissen. Keines der Teile fand seinen Weg zurück in meinen Schrank. Also blieb ich gnadenlos und vermisste danach einige Teile, bis der Kopf mir klarmachte,  ich wäre romantisch-verklärend und er habe gewußt, was…

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    Wunderbarer Kleiderschrank: Stilregeln

    Für den Fall, dass das noch nicht deutlich genug zum Ausdruck kam: ich hasse Regeln, die nicht als Vorschlag, sondern als Verbot und Einschränkung daher kommen, wo sie keinen Sinn machen. Ein Verkehrsschild, das mich zum Halten vor einer gefährlichen Kreuzung zwingt: macht Sinn, denn bei Nichteinhaltung gefährde ich mich und andere. Warum ich aber dieses oder jenes partout nicht tragen dürfen soll, nur weil es meine Figur nicht in Richtung begehrenswerter Männertraum optimiert, leuchtet mir nicht ein – wen gefährde ich, wenn ich meine breite Hüfte nicht mit breiten Schultern ausgleiche? Stürzt die Welt ein, wenn die dicke Frau ihr Bein blitzen lässt oder wenn die Dünne ihren Hüftknochen…

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    Die Hauptperson

    Heute geht es um dich. Die Besitzerin des Schrankes, die Trägerin der Garderobe, die kaufende, nähende, sammelnde Frau. Ich schrieb es bereits: mir fehlt in den meisten Artikeln zum Thema das wirklich wichtige – die angesprochene Person. Also ich. Oder du. Dein Charakter, deine Persönlichkeit spielen eine eben so große Rolle wie dein Beruf oder dein Budget. Beim Lesen hatte ich oft das vage Gefühl, all die Tipps der lifestylebloggenden Modemädchen und der Magazinredakteurinnen richten sich an die gleiche Frau. Als ob die Schreiberin sich nur einen Typ Frau vorstellen kann, der diese Zeitschrift, diesen Blog liest. Eine Frau übrigens, die mir noch nie begegnet ist: Offenbar verdient sie ihre…

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    Die letzten hundert Jahre

    Es war im letzten Jahr, als die Sache mit dem capsule wardrobe flutartig über mich hinweg zu schwappen schien. Auf einmal war der angebliche Minimalismus überall: Weniger ist das neue Mehr! Schluß mit den stundenlangen Grübeleien vor einem überfüllten Kleiderschrank, dessen Ursache nur in der weiblichen Kaufsucht und Unsicherheit lag. Schluß mit falscher Eitelkeit, her mit der Uniform. Her mit dem gesparten Geld. Willkommen, du Kombinationswunder, mein neues Ich, gereinigt und geklärt. So und ähnlich klang es zwischen den Zeilen. Gut, bei den meist amerikanischen Initiatorinnen stand das nicht zwischen den Zeilen, sondern schon in der Überschrift. Aber das Prinzip, die Idee klangen verführerisch, frisch und neu und wer sich…