• Lesetipps

    Mal etwas zum Schauen – Film- und Serientipps

    Wie wäre es wohl, könnten Emma, Melisande, Miss Brent und Lily sich neben uns aufs Sofa setzen und sehen, was wir über Streamingdienste und Fernsehen anschauen? Was würden sie empfehlen?

    Schauen wir mal … 😀

    Fangen wir mit Emma an. Emma hat eine besondere Vorliebe für Jane Austen, da geht es ihr wie Charlotte Walden und Miss Harriet Brent. Welch ein Gegiggele gäbe das wohl, säßen diese drei gemeinsam vor dem Fernseher?


    Als Kennerin der Romane würde ihnen der Film mit Keira Knightly sicher gut gefallen, setzt er doch in seiner Kürze diese Kenntnisse voraus. Weshalb wer wie handelt, welche Regeln zu befolgen waren und auch die Persönlichkeit der einzelnen Charaktere werden nicht unbedingt ausführlich geschildert; insgesamt konzentriert sich der Film auf kaum viel mehr als die Liebesgeschichte.

    Was aber eben diejenigen, die mit dem Roman vertraut sind, nicht zu sehr stören dürfte, denn all das hat, was der Film nicht zeigt und sagt, hat man ja immer im Hinterkopf und kann sich so an schönen Bilden und (gelegentlich zu) romantischen Momenten erfreuen.


    Nun, die drei hätten also ihre Freude an diesem Film, aber vermutlich wären sie von der Serie mit Colin Firth überzeugter – und Miss Brent würde wohl erschreckt den Blick abwenden, wenn Mr. Darcy aus dem Teich klettert.

    Das allerdings dürfte das Einzige sein, worüber sie sich schockiert zeigt, denn ansonsten ist die Verfilmung sehr nahe an der Vorlage. Die Eltern Bennett sind genauso komisch mit den Hauch an Tragik, wie sie es sein sollten; Mr. Wickham könnte wohl hübscher sein, benimmt sich aber ganz so, wie Miss Austen es ihm vorschreibt. Mr. Collins, Lady Catherine de Bourgh, Georgiana Darcy, Lydia – sie alle dürften Miss Brent durchaus vertraut und lebensecht vorgekommen sein.


    Mr. Darcy ist natürlich die Nummer eins der Damen, aber auch Käpt’n Wentworth könnte ihnen gefallen. Ein Mann, der über Jahre hinweg liebt, obwohl er abgewiesen wurde, und sich diese Liebe auch eingesteht, als er der so verehrten Anne erneut begegnet – nun, das rührt die Herzen sicherlich, obwohl ich sicher bin, dass zumindest Emma etwas dazu zu sagen hätte, dem Charlotte mit zustimmenden Augenrollen begegnen würde.

    Diese Verfilmung kommt recht spröde daher; in den Besprechungen liest man gelegentlich, die Schauspieler wären nicht hübsch genug. Aber mir gefällt gerade dieses Zurückhaltende und die schlichtere Optik – genauso dürfte Anne Elliot sich gefühlt haben: zurückhaltend bis zur Unsichtbarkeit, kaum Schönes und Besonderes um sie herum.

    Und dann ist da Ciarán Hinds, der einige Jahre später in einem anderen Film erscheint, der Emma ebenfalls viel Freude machen dürfte.


    In Miss Pettigrews grosser Tag spielt er einen Gentleman, der die Produktion von Herrensocken zugunsten der Herstellung von Damenmiederwaren aufgegeben hat. Was er sehr bedauert, aber das ist natürlich nur ein kleiner Teil in diesem absolut liebenswerten Film der auf einem ebenso liebenswerten Buch beruht.

    Miss Pettigrew ist eine mittelalte Pfarrerstochter, die durch ein Missverständnis und eine kleine Lüge zur Privatsekretärin einer jungen Schauspielerin wird, deren Leben ein wenig konfus verläuft und daher dringend einer ordnenden Hand bedarf. Wie nun ausgerechnet die streng erzogene und bettelarme Miss Pettigrew der guten Gesellschaft Londons aushilft, das ist einfach wunderbar. Allerdings wäre Emma auch geschockt, geht es doch in den Zwanzigern stetig aufwärts – Arbeitslosigkeit und Armut kehren also in den Dreißigern wieder zurück? Und ein Krieg mit Deutschland ist auch zu befürchten? Das sind die Töne, die anklingen in diesem dennoch munteren und hoffnungsvollen Märchen.


    Äußerst angetan aber dürfte Emma die Mordfälle der australischen Miss Fisher hintereinander weg schauen – könnte gut sein, sie lernt etwas, was sich später als nützlich erweist! Besonders dürfte ihr gefallen, dass auch Phryne mit Küche und Haushalt nicht allzu viel am Hut hat; eine Schwester im Geiste ist sie doch gewiss?

    Gut, die Sache mit den vielen Herren, die sie über Nacht beherbergt, die wäre Emma vielleicht ein wenig peinlich, aber mehr als einmal würde sie Siegfried darauf hinweisen, wie sich ein Kriminalpolizist einer hilfsbereiten Dame gegenüber zu benehmen hat. Und was den Luxus der Miss Fisher anbelangt – nun, Emma ist bescheiden und es reicht ihr völlig, gut durchzukommen und gelegentlich von dem Reichtum ihrer Tante Sybil zu profitieren; es muss nicht immer Samt und Seide und ein rasanter Spinoza sein, der gute, alte Adler tut es auch für die alltäglichen Fahrten. Vielleicht wird Emma sich sagen, dass sie immerhin noch die Jugend auf ihrer Seite habe – wer weiß, was noch alles auf sie warten wird?


    Bestimmt gibt es noch mehr, was Emma gerne anschauen würde, aber für die nächsten Wochen ist sie erst einmal gut beschäftigt. Demnächst schaue ich dann mal den Angestellten des Instituts für Fantastik über die Schulter …

    (Ein Klick aufs Bild führt übrigens zum Stream für Amazone-Prime-Kundinnen bzw. zur Produktseite)

  • Lesetipps

    Meine bunt gemischten Lesetipps

    Seit ich vier Jahre alt bin, lese ich. In letzter Zeit nicht mehr drei Bücher in der Woche, sondern vielleicht eines im Monat – aber das muss dafür gut sein. Was also gefiel mir in diesem Sommer?


    Dieser Roman – ebenso wie der nachfolgende – ist verlagsunabhängig veröffentlicht worden und beweist: Ja, das kann eben doch auch richtig gut sein.

    Hier war es wahrhaftig das Cover, das mir zuerst auffiel, Klappentext und Leseprobe stimmten mich fröhlich und schon hatte ich die Geschichte auf meinem Kindle und las. Hintereinander weg und mit viel Vergnügen, wobei ich ständig das eigentümliche Gefühl hatte, einer Schwester im Stile begegnet zu sein. Ich las probehalber dem Gatten und der besten Freundin vor und beide glaubten, es müsse wohl von mir stammen. Hmm, das war etwas gruselig und sollte jemand die Autorin persönlich kennen, so würde ich gerne um Kontaktvermittlung bitten.

    Um was geht es? Ein junge Dame des 19. Jahrhunderts – auch hier eine Ähnlichkeit zum nächsten Buch auf der Liste – will sich nicht recht abfinden mit dem, was die Gesellschaft von ihr erwartet. Und so schlüpft sie in eine Hosenrolle, was einige Komplikationen mit sich bringt – wie der Titel es schon impliziert. Es gibt viel zu Schmunzeln, manches zum Lachen, dennoch gelingt es der Autorin, die Zeit lebendig zu machen.

     


    Anne Stern erzählt die Geschichte der jungen Berlinerin Auguste, die feststellt, mit dem ihr zugedachten Lebensweg nicht einverstanden zu sein. Doch so leicht schert es sich nicht aus, schon gar nicht, wenn die Gefühle in eine Richtung gehen, die wegführt vom sicheren Ehehafen.

    Ich selbst mag es zwar gerne weniger schicksalsgebeutelt, aber das spielte beim Lesen ausnahmsweise einmal keine Rolle. Dieser Roman gefiel mir deshalb , weil die Autorin mit Sprache umzugehen vermag und die Gefühle ihrer Figuren zwischen den Zeilen erlebbar werden.

    Für Liebhaberinnen dramatischer Romane ist diese Geschichte der perfekte Einstieg in eine Trilogie, die sich bis in die 1940er erstreckt.


    Weiter geht es mit einem Klassiker in ganz neuem Gewand – in mehreren Teilen kommt Pride & Prejudice als Comic für das Kindle-Tablet.

    Die Charaktere sind mitunter etwas zu comic-normschön gezeichnet (sprich: sie sehen schon mal ordinär aus) und der Aufbau orientiert sich deutlich mehr an der bekannten BBC-Verfilmung als am Original, aber wie gesagt, das macht schon mal Spaß.

    Bislang habe ich allerdings nur den ersten Teil angeschaut, die anderen hebe ich mir für die Krank-im-Bett-Tage auf, die im November bestimmt auf mich lauern.


    Ich habe diesen – sehr kurzen – Krimistart in eine neue Serie auf Englisch gelesen, allerdings erscheint er Ende August auch schon auf Deutsch; beide Versionen werden von Bastei BEtrhrilled verlegt.

    Ein junges Ehepaar – er Brite, sie Amerikanerin, beide mit einer Geheimdienstvergangenheit, die sich vermutlich als nicht so vergangen erweisen wird – zieht nach England und richtet sich zunächst notgedrungen bei einer Tante ein. Ein Mord, ein Diebstahl – schon sind sie mitten in einer Ermittlung.

    Platz für viel Charakter oder Zeitkolorit bleibt nicht, es geht alles recht flott und routiniert von der Hand. Aber der Roman spielt in den Zwanzigern und liest sich entzückend – was will die Freundin gemütlicher Kriminalromane mehr?


    Und nun noch ein Werk, das für all diejenigen interessant sein dürfte, die entweder die gleichnamige Ausstellung (2012?) gesehen hatten, sich für die Mode des Dritten Reichs (und allem, was damit zu tun hat) interessieren oder die einfach einmal in ein neues Interessengebiet linsen möchten.

    Das Ding ist ein schwerer und großer Wälzer, also nichts, was man sich mit ins Bett nimmt. Das gibt das Thema auch nicht her. Natürlich lässt sich in eleganten Kleidern, männlichen Anzügen, niedlichen Kinderkleidchen schwelgen, man kann Modefotografien und künstlerische Zeichnungen bewundern, aber vor allem geht es um die Geschichte der Kleidung, ihre Bedeutung und ihre Herstellung. Da ist von der Schuhteststrecke in einem KZ ebenso die Rede wie von BDM-Uniformen und Bezugscoupons.

    Das Werk gibt es nur selten in den Onlineshops, es lässt sich aber gut und sehr unkompliziert über die Museumsseite selbst bestellen.


    Von Zeit zu Zeit stelle ich Bücher vor, die ich  gerne gelesen habe. Ein Klick auf das Titelbild bringt dich zur Amazonseite des Buches. Diese Links sind Affiliates, was bedeutet, ich bekomme einige Cent, solltest du das Buch über diese Verbindung kaufen. Und dafür bin ich sehr dankbar, denn jeder Cent ist eine Minute mehr, die ich schreibend verbringen darf.

  • Die Zwanzigerjahre,  Lesetipps

    “Bin ich reich genug, eine Dame zu sein?”


    So lautet die Kapitelüberschrift eines Buches aus dem Jahre 1928, erschienen also ein bis zwei Jahre, nachdem Emma nach Bonn zurückkehrte. Paula von Reznicek schrieb es unter dem Titel “Die perfekte Dame” und es beschäftigt sich – mitunter sehr kryptisch und vage – mit allen Themen, die die Neue Frau wohl bewegten: Von Mode bis Sport, von Auto bis Liebesleben – alles wurde auf ein bis zwei Seiten besprochen. Ob es ein hilfreiches Brevier war? Sicherlich nicht mehr und nicht weniger, als es solche Ratgeber heute sind. Was aber damals wie heute gefällt, sind die wunderbaren Skizzen und Zeichnungen in diesem Buch.

    Da aber das Thema “Dame” sicherlich auch in Emmas Leben eine Rolle gespielt haben dürfte und sie dieses Buch in zwei Jahren auch lesen wird, lasse ich Frau Reznicek selbst zu Wort kommen: Gehörte zum Damesein unbedingt Geld? War die Dame eine, die nichts tat, als sich die Nägel zu polieren und Dienstboten zu tyrannisieren?


    Bin ich reich genug, eine Dame zu sein?

    Ein Refrain, der immer wiederkehrt – zu keiner Zeit ausstirbt und zur Schlagermelodie der Frau geworden ist.
    Welch ein Irrsinn! Bin ich reich genug, erotisch, musikalisch oder religiös zu sein? Die Dame hat mit Reichtum erst in zweiter Linie zu tun – und die Allerreichste der Welt kann alles andere eher, als eine Dame sein.
    Geld erleichtert – ist nervenberuhigend, angenehm, aber es entscheidet nicht. Manieren und Geschmack, Intelligenz und Instinkt, Gepflegtheit und Liebenswürdigkeit ersetzen oft materielle Vorteile oder gewinnen leicht solche.
    “Wie pflege ich mich ohne Geld?” fragte neulich eine Schöne – und die prompte Antwort einer noch weniger Begüterten, aber bedeutend reizvolleren jungen Dame: “Versuchen Sie`s mal mit Seife, Kamm und Nagelschere …”
    Eine wirkliche Dame ist nicht arm – eine echte Dame kommt auch mit Wenigem aus, eine große Dame hat immer ihren Kreis, der ihr beisteht, immer ihre Freunde, die ihr helfen.
    Aber eine Talmidame, die nur scheint und nicht ist, die nur imitiert und kopiert, die nur äußerlich und nicht innerlich gedeiht, wird und kann nie reich genug sein, um das zu werden, was sie erhofft und nie erreicht …


    Tja, sind wir jetzt schlauer? Und liegt es nicht nah, auf den Namen der Autorin und die damit sicherlich verbundene gehobene Stellung zu zeigen und sich zu fragen, ob sie überhaupt wusste, wovon sie sprach?

    Paula Stuck von Reznicek, wie sie sich nach ihrer zweiten Heirat nannte, war ein geborenes Fräulein Heimann und die Tochter eines Bankiers, allzu viel Armut dürfte sie nicht gekannt haben, hochadelige Standesdünkel aber ebenso wenig – wichtiger wird es werden, dass zumindest ein Elternteil jüdischer Herkunft ist.
    Interessant ist, dass ihr Buch, das sie gemeinsam mit ihrem ersten Mann, einem Freiherrn von Reznicek, geschrieben hat, heute noch als interessantes Zeitdokument gilt, weil es eines sehr deutlich zeigt: Die Veränderung des weiblichen Selbstbewusstseins – das zeigt auch das oben zitierte Kapitel, in dem sie Frauen das Wissen um ihre Erotik zubilligt (ein Thema, das sich durch das Buch zieht). Auch die Illustrationen zeigen diesen Wandel deutlich.

    Paula selbst übrigens auch, denn sie lässt sich von ihrem ersten Mann scheiden, heiratet ein zweites Mal und auch diese Ehe wird geschieden – wer wen weswegen verlassen hat, habe ich in beiden Fällen nicht herausfinden können. Allerdings darf sich auch die heutige Frau noch wundern: In Paulas Wikipedia-Eintrag wird den Gatten durchaus nicht wenig Raum gegeben. Wir erfahren, dass ihr erster Mann Sportreporter und Präsident des Deutschen Tanzverbandes war (und finden auch heraus, dass er sich allein dadurch wohl noch keinen eigenen Wiki-Artikel verdient hat) und lernen auch über ihren zweiten Mann, den Rennfahrer, so einiges. Sie hingegen wird in Quellen, die von Hans Stuck sprechen, kaum erwähnt – in einer Randnotiz erfährt die Suchende, dass Hitlers Vorliebe für den blonden und hochgewachsenen Herrenfahrer ihr das Leben gerettet haben dürfte.

     

     

    Doch nicht nur die Tatsache, dass sie zweimal verheiratet und zweimal geschieden war, machte eine moderne Frau aus ihr: Sie spielte in der Tennisweltrangliste, errang einige Meistertitel und machte sich dann als Schriftstellerin und  Journalistin (bei Der Dame, einer  Zeitschrift, die einflussreich und prägend wirkte und vor einigen Monaten zumindest einmal neu und hochpreisig neu aufgelegt erschien) einen Namen und zwar einen solch guten, dass sie nach 45 von Erich Kästner nach München geholt wurde. Außerdem muss sie zu irgendeinem Zeitpunkt als Krankenschwester gearbeitet haben – der Verdacht liegt nahe, dass das in einem der beiden Weltkriege gewesen sein dürfte. Liest man mit diesem Wissen über ihr Leben das Kapitel oder gleich das ganze Buch erneut, dann verschiebt sich die Wahrnehmung doch sehr, nicht wahr?


    Die perfekte Dame gibt es übrigens als Nachdruck für einige Cent und allein der Bilder wegen lohnt es sich, wenn man die Zwanziger liebt. Mehr über Paula findet sich bei Wikipedia, viel ist es allerdings nicht. Wer mehr über sie weiß – ich wäre sehr interessiert und freue mich über einen entsprechenden Hinweis.

  • Lesetipps

    Emmas Leseliste

    Natürlich liest Emma. Sie liest mit Begeisterung und so kann es nicht ausbleiben, dass sie gerne über Bücher spricht, sich austauscht und empfiehlt. Als sie nun nach Bonn zurückkehrt, um nach ihrem Vater zu suchen, liest sie die folgenden Romane oder erinnert sich an sie:


    Da ist – natürlich, möchte ich bald sagen – Elizabeth von Arnim, die 1898 ihren ersten Roman veröffentlichte und in den nächsten vierzig Jahren sehr unterschiedliche Themen aufgriff, die sie größtenteils humorvoll verarbeitete. Doch unter dem Witz liegen mitunter bitterböse Beobachtungen.

    Verzauberter April ist 1926 zum ersten Mal auf deutsch erschienen und ist eine Geschichte, die sich an einem Sommertag ebenso wie im Winter lesen lässt; entweder um die Jahreszeit zu genießen oder aber um sie herbei zu sehnen. Vier Frauen unterschiedlicher Herkunft teilen sich eine Villa in Italien und eine jede kam aus einem anderen Grund, wenn auch immer die Liebe eine Rolle spielt. Liebe, die zu viel oder zu wenig vorhanden ist, die ersehnt oder verflucht wird.


    Als Emma von einer heftigen Erkältung ins Bett gezwungen wird, ist sie nicht allerbester Laune. Ein klein wenig hilft es, dass alle Welt ihr Leckereien und Lektüre vorbeibringt. Vermutlich war es Tante Tinni, die ihr Jane Austens Emma auf den Nachttisch legte. Man ahnt es schon: Emma war das Lieblingsbuch ihrer Mutter.

    Im Gegensatz zu Emma Schumacher ist Emma Woodhouse selbstbewusst und gerade heraus. Gerne steht Miss Woodhouse im Mittelpunkt und ist zuversichtlich, dass ihr Urteil das unbedingt richtige sein muss. Eigenschaften, die Emma gerne hätte … wobei: Auch Fräulein Schumacher ist in ihren Aussagen direkt. Immer dann, wenn sie spricht, ohne es zu beabsichtigen, was ihre Mitmenschen oft verwundert.

    Jane Austen lässt ihre Heldin reifen, lässt sie unangenehme Erfahrungen durchleben, die ihr übertriebenes Selbstvertrauen mindern. Die Gesellschaft, wie Emma sie sieht und arrogant zu ordnen wünscht, erweist sich als tiefer und oberflächlicher zugleich, als sie glaubte.


    Die Buddenbrooks führen ihren Verfall über vier Generationen vor und Thomas Mann zeigt sein Können in gewundenen Sätzen und detailreichen Beschreibungen – beides Eigenschaften, die heute in Romanen unerwünscht sind. Dabei sind es gerade diese Stilmittel, die den Roman zum Klingen bringen, ihn in das 19. Jahrhundert versetzen und seine Figuren so plastisch machen. Als Leserin muss man sich einlassen, das ja, aber dafür belohnt er uns mit Toni und Grünlich.

    Emma zumindest hat vor allem die Szene beeindruckt, in der Grünlich Toni seinen Heiratsantrag wahrhaftig entgegenschmettert und fühlt sich im passenden Moment unpassend daran erinnert.



    Nachdem Emma an Grünlich dachte, musste auch Mr. Collins vor ihrem geistigen Auge erscheinen – ebenso ungebeten natürlich. Der Landpfarrer bittet seine Cousine Elizabeth Bennet mit soviel Feingefühl und wohlklingender Rhetorik um ihre Hand, dass er auf immer unvergessen bleibt. Es ist bis heute ein Wunder, dass alle Welt von Elizabeth und Mr. Darcy spricht …

    Nun, über diesen Roman muss wohl nicht viel gesagt werden: Es ist nur sehr oberflächlich gelesen eine Romanze. Viel beeindruckender sind  die Wortmelodie, die schnellen Dialoge und die Ironie, die sich durch alle Seiten ziehen.


    Auf Emmas Noch-zu-Lesen-Liste steht dieser Krimi von Agatha Christie, der 1926 der erste große Erfolg für die junge Autorin wurde.

    Roger Ackroyds große Liebe ist tot und die Umstände sind verdächtig. Doch bevor er etwas unternehmen kann, wird auch er ermordet. Niemand anderer als der größte Detektiv aller Zeiten bemüht seine grauen Zellen, um einen verzwickten Fall zu lösen.

    Bislang las Emma keine Kriminalromane, aber nachdem ihr Leben so viel aufregender abläuft, wird sie James’ Empfehlung beherzigen und es ist nicht unwahrscheinlich, dass sie von nun an jede Neuerscheinung Agatha Christies mit Ungeduld erwarten wird.


    Von Zeit zu Zeit stelle ich Bücher vor, die ich – und Emma ebenfalls – gerne gelesen habe. Ein Klick auf das Titelbild bringt dich zur Amazonseite des Buches. Diese Links sind Affiliates, was bedeutet, ich bekomme einige Cent, solltest du das Buch über diese Verbindung kaufen. Und dafür bin ich sehr dankbar, denn jeder Cent ist eine Minute mehr, die ich schreibend verbringen darf.