Mord zwischen Säulen

Der Anfang des ersten Kapitels Carissima mina«, wisperte Yrjö. Noch im Halbschlaf streckte er die Arme nach Mariella aus. Doch wie er auch um sich tastete, er fand nichts als ein kühles Kissen und die zerwühlte Decke. Widerwillig öffnete er die Augen und schloß sie rasch wieder; die Sonne schien viel zu grell ins Zimmer. »Mariella?«Er erhielt keine Antwort. Gähnend streckte er sich lang aus, dehnte Arme und Beine, rollte sich endlich auf die Seite und stand auf. Eher zufällig fiel sein Blick auf den Wecker und plötzlich kam Leben in den hochgewachsenen Mann. Er raste ins Bad, wusch und kämmte sich hektisch und putzte seine Zähne mit solcher Hast und Dringlichkeit, dass die Bürste sich rot verfärbte.»Oh naps noch eins.« Er spülte den…

  • Beitrag veröffentlicht:4. Dezember 2022
  • Beitrags-Kategorie:Schreiben

Nicht was, sondern wie ich schreibe

Ich bin eine Pantserin. Oder eine Gärtnerin. Also: eine entdeckende Schreiberin. Was bedeutet, dass ich schreibe, als würde ich lesen - was passiert als nächstes, wie geht es weiter, was kommt nun? Wenn du jetzt einmal nach diesen Ausdrücken googlest, dann wirst du schnell herausfinden, dass diese Art des Schreibens gerne als völlig falsch angesehen wird. Als unprofessionell. Zeitaufwendig. Fehlerbehaftet. Unorganisiert. Ungeeignet auch für Krimis beispielsweise. Oder Serien und Reihen. Ganz, ganz verkehrt. Und man möchte meinen, dass das stimmt, denn liest man sich durch Schreibforen oder Autorinnenseiten, dann ist fast immer vom Plotten und Vorbereiten die Rede, um Logikfehler zu vermeiden oder sich die Arbeit zu ersparen, den ersten Entwurf kompett in die Tonne kloppen zu müssen. Entdeckend schreiben nur Anfänger und Hobbyschriftstellerinnen.…

Alles so schön bunt hier …

Ich bewundere schöne Instagramfeeds ja sehr und habe mehr als einmal Anlauf genommen, das auch hinzubekommen. Dann habe ich einige Stunden investiert und Vorlagen geschaffen, Farben definiert und sogar versucht, vorauszuplanen, was ich wann wie zeigen wollte oder sollte. Das klappte toll.Zwei oder sogar drei Tage lang. Und dann passierte irgendetwas. Was Bedeutungsloses wie 'Keine Lust und keine Zeit' oder Dramatisches wie Krankheit, Krieg oder Klimakatastrophenangst. Dinge also, die mich entweder wochenlang gar nichts posten ließen oder ganz spontan sehr Persönliches. Weshalb mein Feed aussieht, wie er nun einmal aussieht. Total bunt, sehr chaotisch und ohne roten Faden. Im Augenblick habe ich beispielsweise viel Freude am Erstellen von kleinen Filmchen, um meine Geschichten darzustellen oder zu bewerben - wie sonst könnte ich reizenden Damen…

  • Beitrag veröffentlicht:14. November 2022
  • Beitrags-Kategorie:Meine Romane

Weshalb eine fiktive Insel?

Ich liebe mein Fräulein Schumacher sehr, keine Frage, und ich schreibe ihre Serie gerne; das Bonn der Zwanziger und Dreißiger Jahre ist der perfekte Hintergrund für diese Romane, in denen nicht unbedingt der Kriminalfall im Mittelpunkt steht. Aber mit Emma musste ich die Zwanzigerjahre nun hinter mir lassen. Was doch irgendwie schade ist. Auch schade fand ich immer, dass diese Zeit innerhalb einer deutschen Erzählung nicht halb so lustig und ausgelassen sein kann, wie wir es beispielsweise von britischen Romanen kennen, in denen immerzu muntere Flapper Champagner trinken und Tüdelü sagen. Gut, ehrlich gesagt, würde mir eine zu oberflächliche Darstellung der echten Zwanzigerjahre auch gar nicht liegen, ich bin in mancher Hinsicht viel zu ernsthaft, um eine solche Serie zu schreiben, die so gar…

  • Beitrag veröffentlicht:10. November 2022
  • Beitrags-Kategorie:Alltag

Demenz ist ein Elend – Teil zwei

Es fing vor gut zwei Jahren an: Recht bald im ersten Lockdown fand ich es enorm schwierig, meiner Mutter am Telefon klarzumachen, dass sie bitte schön daheimbleiben und mir diktieren solle, was ihr Schwiegersohn für sie einkaufen sollte. Ich merkte natürlich, etwas was anders, und mit allem, was ich heute über diese Krankheit weiß, wäre mir gleich aufgefallen, was so anders war. So aber ließ ich mich gerne beruhigen, wenn andere meinten, sie hätten nichts an ihr bemerkt. Und mit 83 darf man ja auch tüddelich werden, nicht wahr? Dass meine Mutter mir gegenüber schnell aggressiv wurde, war ja leider auch nicht wirklich etwas Neues; an mir hatte sie immer schon vieles auszusetzen gehabt. Wenn sie also nun nicht in der Lage war, mir…

  • Beitrag veröffentlicht:10. November 2022
  • Beitrags-Kategorie:AlltagPapa

Demenz ist ein Elend – Teil eins

Vor etwas mehr als zehn Jahren, als ich noch unter Michou loves Vintage übers Nähen, Stricken, Schnittzeichnen und den Alltag bloggte, habe ich auch über meinen Vater geschrieben. Genauer gesagt habe ich darüber gesprochen, wie es ihm und wie es mir ging, denn mein Vater lag im Krankenhaus und es war zu Beginn unklar, was er hatte. Nicht lange allerdings, denn es war Krebs und es blieben uns sechs Wochen, um das zu begreifen. Es ging nicht gut aus und war auch nicht eine Minute lang erträglich. Ich stolperte der Erkenntnis und meinen Gefühlen hinterher und weil ich zu diesem Zeitpunkt schon fast alles schreibend mit mir ausmachte (wenn ich mich ärgerte oder amüsierte, fand das als Anekdote Eingang in meinem Blog), fing ich…

  • Beitrag veröffentlicht:5. November 2022
  • Beitrags-Kategorie:Schreiben

Immer wieder unsicher

Gestern habe ich den letzten Satz in Emmas dreizehntem Fall geschrieben und auch gleich mit dem Gegenlesen und Korrigieren begonnen; knapp die Hälfte hatte ich schon vor zwei Wochen bearbeitet und habe nun noch sieben Kapitel vor mir, die ich morgen und übermorgen schaffen möchte. So weit, so gut und man möchte doch meinen, dass ich mittlerweile nicht nur Routine im Schreiben und Bearbeiten habe, sondern mir vielleicht auch ein gewisses Selbstbewusstsein als Autorin zugelegt haben sollte; immerhin habe ich nun bereits 39 Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht. Ja. Hmm. Also. Tja. Was soll ich sagen? Offenbar nicht. Nicht so ganz. Natürlich weiß ich mittlerweile, dass ich mich auf mich verlassen kann, wenn es darum geht, einen Roman zu Ende zu bringen und das auch…

  • Beitrag veröffentlicht:25. Oktober 2022
  • Beitrags-Kategorie:Papa

Lindau, den 20.9.59

Liebe Anita, besten Dank für Deine Briefe. In Deinem ersten Brief schreibst Du von einem alten Freund. Zu was darf ich mich zählen? Bekannter? Freund? Oder als was? Noch manche Fragen, die ich in den letzten Briefen an Dich gerichtet habe, hätte ich auch noch gerne beantwortet. Bei diesem herrlichen Wetter kann man schon noch Fremde antreffen. Noch ist die kleine Stadt nicht im Winterschlaf. Am vergangenen Sonntag war ich im 'Rathaus' mit Walter, einem Bekannten, tanzen. Wir saßen mit neun Mittelschülerinnen aus Frankfurt a. M. an einem Tisch zusammen. Es hat sehr Spaß gegeben, als Walter den Mädchen aus den Händen gelesen hat. Gestern war ich mit Walter im 'Excelsior'. Aber mein Herz hat beim Tanz allzusehr bum bum gemacht, darum habe ich…

Meine Cover – ein ewiges Thema …

Ich sehe es genau vor mir, wie die eine oder andere jetzt mit den Augen rollt, den Kopf schüttelt, vielleicht sogar die Fäuste in die Luft reckt und kurz davor ist, mich dem Fluch der Buchsammlerin zu überantworten, die Ordnung in ihrem Regal verlangt und es daher nicht schön finden kann, wenn die Bücher einer Reihe nicht zusammenpassen. Was ich zu gut verstehen kann; es ging mir vor vielen Jahren nicht anders. Jetzt lese ich vor allem eBooks und habe eh keinen Platz mehr in meinen Regalen und auch das Durcheinander stört mich wenig.Dennoch: Es tut mir leid. Ehrlich. ABER …Ich gestalte all meine Cover selbst, was mir höllischen Spaß bereitet. Habe ich das aber gelernt, als ich damit begann?So was von gar nicht.Sah…

  • Beitrag veröffentlicht:23. Oktober 2022
  • Beitrags-Kategorie:Papa

Lindau, den 3.9.59

Liebe Anita, tausend Dank für Deinen herzigen Brief. Es ist nett von Dir, dass du viel an Lindau denkst. Dabei hoffe auch ich, nie vergessen zu werden. Du wirst doch meinen Briefen erhalten haben? Am Dienstag habe ich um 15:00 Uhr zu arbeiten aufgehört, um zum Zahnarzt zu gehen. Zuvor bin ich nach Haus, um mich umzukleiden. Ich hatte schon so eine Vorahnung, von Dir Post vorzufinden, und wurde auch nicht enttäuscht. Die Freude, von Dir zu hören, ließ mich beim Zahnarzt die Schmerzen vergessen. Wie kannst du nur denken, dass ich Deine Briefe in den Aschenbecher werfen werde. Ich möchte gerne wissen, ob Du mich auch ein wenig liebst. Meine Liebe habe ich Dir versprochen und will sie auch nur Dir schenken. Wenn…

  • Beitrag veröffentlicht:22. Oktober 2022
  • Beitrags-Kategorie:Papa

Lindau, den 29.8.59

Briefe meines Vaters an meine Mutter Mein Vater starb am 27. August 2012 und wie das mit Vätern so ist, es war nicht immer einfach mit und zwischen uns. Wir waren uns in zu vielem zu ähnlich, regten uns beide schnell auf und knallten daher immer wieder aufeinander. Auf der anderen Seite verstanden wir uns hervorragend, waren wir alleine. Wenn wir beispielsweise ohne Mama und Bruder nach Lindau fuhren und er mir von seiner Kindheit, von Onkeln, Tanten und Schulfreunden erzählte - immer darauf achtend, mir nichts von all dem Negativen zu erzählen, wovon ich erst viel, viel später (und bis heute nur bruchstückweise) erfahren habe. Vom Vater beispielsweise, der strammer Angehöriger der SA war und seine Frau mit Tochter und Sohn noch vor…

  • Beitrag veröffentlicht:21. Oktober 2022
  • Beitrags-Kategorie:Meine Romane

Das Ende der goldenen Zeit

Freitag, 2. Mai 1930 Ich weigere mich entschieden, Trübsal zu blasen. Es ist doch so, dass -«»Dein Hund ist schon wieder fortgelaufen.«»Goodness, Emma, hörst du mir bitte zu? Ist es zu viel verlangt von einer liebenden Nichte, die -«»Was, wenn dein Hund -«»Bello. Mein Hund heißt Bello und -«»Ich weiß wirklich nicht, weshalb du das arme Tier mit diesem Namen quälen musst.«»Es ist ein deutscher Name.«»Du bist nicht deutsch.«»Mein Hund aber doch. Also, was ich sagen will: Ich weigere mich entschieden, mich vom allgemeinen Trübsinn anstecken zu lassen. Ja, es sieht düster aus und wir blicken in eine ungewisse Zukunft, aber ist das Grund genug, auf Champagner und ein wenig Vergnügen zu verzichten? Sicherlich nicht. Die Frage ist: Soll ich die Preise senken oder…

  • Beitrag veröffentlicht:15. Oktober 2022
  • Beitrags-Kategorie:Bonn

Warum befindet sich meine Rechtsmedizin in der Universität?

Echte und Fiktive Orte bei Fräulein Schumacher Das Bonn, durch das Emma und Kommissar Wertheim laufen, unterscheidet sich in vielem von dem Bonn, das wir heute kennen. Nicht nur, weil ein komplettes Viertel den Kriegsgelüsten eines Führers zum Opfer gefallen ist und manch anderes dem Geschmack der nachfolgenden Jahrzehnten, sondern auch deshalb, weil ich mir gelegentlich Freiheiten genommen habe darin, wo und wie ich Handlungsorte angelegt habe.In den allermeisten Fällen verwende ich Geschäfte, Lokale und Hotels, die im betreffenden Jahr des Romans existierten. Eine Ausnahme habe ich vielen Tatorten gemacht: Den Salon von Madame Mirabeau beispielsweise gab es so wenig wie das Modeatelier Dezière. Im letzten Tanz habe ich einige Tanzlokale erfunden, da ich in dieser Hinsicht nicht viel finden konnte in dem Recherchematerial,…

  • Beitrag veröffentlicht:13. Oktober 2022
  • Beitrags-Kategorie:Bonn

Die Villen der Bonner Gründerzeit

Rund um die Poppelsdorfer Allee, die auf das Kurfürstliche Lustschloss und den Botanischen Garten zuführte, entstanden zum Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr Straßen. Wo sich bislang ein Wanderpfad hoch zum Venusberg schlängelte oder auf kaum befestigten Wegen Bauern ihre Waren in die Stadt fuhrwerkten, wurde nun Wohnraum geschaffen für die neu hinzuziehenden Rentiers, die Professoren und Gelehrten, die reicher werdenden Geschäftsleute und Fabrikanten. Auch den niedrigen Adel, Angehörige des in Bonn reichlich vertretenen Militärs und vornehme, ältere Fräulein zog es hierher. Wer sein gutes Auskommen hatte, baute hier oder zog als Mieter in die prachtvollen Neubauten. War man Millionär oder stand der Kaiserfamilie nahe, bevorzugte die Nähe zum Rhein - so blieb man in der Südstadt weitestgehend gut bürgerlich unter sich. Mehr oder…

  • Beitrag veröffentlicht:12. Oktober 2022
  • Beitrags-Kategorie:Bonn

Der Bonner Hofgarten

Der Park nahe am Rhein hatte im Laufe seiner Existenz viele Wandlungen durchgemacht, doch nie war er völlig zu dem geworden, was Kurfürst Joseph Clemens und nach ihm Kurfürst Clemens August im Sinn hatten. Ein Park so prächtig wie in Versailles sollte es werden; es waren Terrassen geplant, Stufen und Wasserwerke, Obstgärten und dekorative Schutzwälle, doch nur die doppelte Lindenallee links und rechts neben den nach französischem Vorbild angelegten Ziergärten und ein Brunnen dort, wo später die Anatomie von Schinkel erbaut wurde, sollten fertiggestellt werden.Nachdem 1777 das kurfürstliche Schloss bei einem fünf Tage andauernden Brand zerstört worden war, fehlte es an Geld für die Gartenanlage; es fehlte so sehr, dass sogar das Schloss nur eingeschossig wieder aufgebaut wurde und sich statt der geometrisch angeordneten…

Wenn es mal kein Buch sein soll

Welche Filme und Serien würdne meine Heldinnen und Helden an einem regnerischen Wochenende oder einem gemütlichen Abend anschauen?Da habe ich mir mal Gedanken gemacht und eine Liste zusammengestellt, was ihnen aktuell gefallen könnte. Fangen wir mit meiner lieben Emma an. Eine junge Frau in der Weimarer Republik, die sich immer wieder in Kriminalfälle einmischt. Was sie mögen würde, ist eindeutig: Miss Fishers mysteriöse Mordfälle natürlich. Alle drei Staffeln würde sie hintereinander weg bingen und sehr traurig sein, wenn die Abenteuer ihrer Kollegin mit dem abschließenden Film Miss Fisher und die Gruft der Tränen ihr Ende finden. Ganz bestimmt würde Emma von Phryne schwärmen und sich wünschen, einmal nur so mutig und frech zu sein, obwohl James seine Gattin sicherlich mutig und frech genug findet.…

Inhalts-Ende

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