Alltags- und Gedankenschnipsel

Die letzten fünfzehn Monate und Pläne und so und überhaupt

Es ist vier Uhr nachmittags am dritten Advent und ich bin unglaublich müde – eine Mischung aus meiner Hashi, einem ständig grölenden Teeniesohn, den ich gerne auf dem Mond wüsste, und zu wenig Schlaf.

Zu wenig Schlaf nicht allein in der letzten Nacht, sondern in den letzten Monaten: Entweder ich habe Rücken und/oder muss mich mit Momo (schwarze Katze, wiegt keine drei Kilo) und Micky (kleiner Hund, wiegt sechs Kilo) um meinen Platz im Bett streiten, während Maxi (großer Hund, hoffentlich endlich nur noch 30 Kilo) schnarcht. Ja, ich sollte die Tiere aus meinem Schlafzimmer verbannen, aber ähm – sie sind sonst sehr, sehr traurig. Und laufen jaulend und jammernd durchs Haus. Reicht, wenn das der Grölsohn tut, der übrigens nächsten Samstag vierzehn Jahre alt wird und dadurch natürlich noch mehr Ansprüche stellt an das, was er darf.

Und nicht, dass jetzt noch irgendeine der Illusion erliegt, der Jüngere wäre noch immer das liebe Schmusekind, das so intelligent und fleißig und hilfsbereit war – der ist zwölf und ist längst der Nölsohn. Ja, nölen und grölen, das trifft es genau, was ich hier tagtäglich anhöre. Mir steht es ziemlich weit über Kopfhöhe und ich bin sicher, dass – wer nun nicht denkt, wie kann die böse Frau das über ihre armen Kinder schreiben? Öffentlich?? – es einige gibt, die nicken und sich auf die Schulter klopfen, weil sie das hinter sich gebracht haben. Oder andere, die nicken und sich sagen, wie gut es sei, sie sind nicht alleine mit dieser Erfahrung. Und noch andere, die vielleicht nicken, dann zu ihren süßen Kindern schauen und glauben, bei uns wird das aber anders! Und herrje, ich wünsche wirklich sehr, sie mögen recht haben. Ich gönne es allen. Aber so ganz vorsichtshalber solltet ihr euch einen Jahresvorrat an Süßkram zulegen, der euch dann über die ersten Wochen der Frühpubertät hilft! Nur so, für alle Fälle.

Aber ach, zurück zur Müdigkeit: Sind also nicht körperliche Zipperlein, die mich quälen, dann sind es Sorgen um unsere verdammte Mistwelt (und jetzt sagt mir bitte keine nirgendwo nicht, wie viel besser die Welt doch geworden ist – ja, verglichen mit 1379 ist das korrekt, verglichen mit 2014 halte ich das aber für ein Gerücht). Oder es sind meine Geschichten, die mich wachhalten.

Weil ich entweder noch ein Kapitel zu Ende schreibe. Oder nach Fehlern suche. Ein Cover baue. Alles in digitale Form bringe. Recherchiere. Korrektur lese. Mir über den Fortgang Gedanken mache. Oder aber – und das ist das Dümmste, Nutzloseste und Selbsterniedrigendste, was eine Autorin tun kann, die Marketing nicht nur nicht beherrscht, sondern es auch fies findet: Man liegt herum und fragt sich, wie andere es schaffen, so viel zu verkaufen, obwohl vieles davon eher nicht das ist, was man selbst lesen oder auch nur schreiben würde. Also windelwechselnde Milliardäre mit Six-Pack und Goodie-Schublade. Oder extrem blutige Moritaten, in denen seitenlang Folterung und Ermordung der weiblichen Opfer beschrieben sind. Oder was auch immer, was dem einen oder anderen hier mitlesenden Snob (ja, nicht mit dem Kopf schütteln, ich weiß schon, hier sind immer einige mit Anspruch zu Besuch gekommen, die mir zu dem einen oder anderen Thema durchaus höchst anspruchsvolle Lektüre zur Vertiefung oder Problemlösung empfohlen haben 😀 )

Versteht das nicht falsch, ich stehe nun wahrlich weder hier noch vor meinem Spiegel und behaupte, zeitgenössische Literatur mit Ewigkeitsanspruch zu verfassen – dazu bin ich schon viel zu wenig im Hier und Heute verwurzelt – das loves vintage steht ja nicht ohne Grund seit Jahren obendrüber. Weshalb ich zwar hier und heute auf meinem Sofa schreibe, aber das Geschriebene entweder 1900 oder in der Weimarer Republik oder aber demnächst sogar 1815 spielt. Das ist – so viel war von Anfang an klar – niemals nicht mainstreamtauglich. Und ja, ich sehe das Nicken der einen oder anderen (so man hier überhaupt noch hinfindet, nachdem ich meinen Blog so schändlich vernachlässigte), die sich sagt: „Doofe Nuss, das willst du ja auch gar nicht! Du kannst Mainstream nicht und vor allem willst du das nicht, also jammer hier nicht rum!“

Richtig, recht hast du. Ich wundere mich vielmehr über das, was heute Mainstream ist – entführte Teeniemädchen, die sich nach vollzogener Vergewaltigung in den Täter verlieben … da tu ich mich schwer mit. Noch schwerer mit den Kommentaren zu solchen Büchern, in denen von Romantik und Liebe die Rede ist. Ich bin einfach zu alt dafür, nehme ich an.

Aber sei das, wie es ist: Trotzdem ich all das wusste, all das gar nicht wollte und von Anfang an sagte, es wäre toll, wenn ich eine Handvoll Leserinnen finde, die so sind, wie all die Frauen, die ich übers Bloggen oder über den Kosmetikladen fand – also witzig, klug, gebildet, warmherzig und auf Zack (was sie für meine mäandernden Schachtelsätze, auf die ich auf dem Blog nicht verzichten mag, quasi als Zugangsintelligenztest für den Kommentarbereich und jetzt übertreibe ich es absichtlich mit Aussage und Satzbau :D), wenn ich also diese Handvoll fände, dann wäre es das für mich schon wert. Doch dann bekam das Ganze irgendwie Schwung, sowohl von innen wie von außen, und auf einmal kam zumindest soviel Umsatz rein, dass es mich aus der Familienversicherung kegelte und ich nun bei der Künstlersozialkasse gemeldet bin. Was ziemlich überraschend war. Und was dann dazu führte, dass ich mich viel zu sehr mit anderen Indies oder Selfpublishern befasste, in Foren mitlas und dann eben nachts schlaflos lag und mich fragte, ob mein Festhalten an dem, was ich wie und wann schreiben will, denn wirklich so verkehrt ist. Zahlenmäßig vor allem in den letzten sechs Wochen bin ich das totale kleine Minilicht, die totale Loserin (Na, ok, das geht noch viel, viel schlechter :D) und was man sich nicht noch alles einreden kann. Ihr kennt mich ja, könnt ihr euch schon denken.

Dabei zählt doch statt Umsatz für mich etwas ganz anderes: Wenn ich Mails von mir fremden Frauen bekomme, die sich über Emma freuen oder Lily lieben oder wissen wollen, wann es mit Olivero weitergeht. Die sich mitunter als Germanistinnen, Historikerinnen, sogar Buchhändlerinnen entpuppen und damit also die Frauen sind, vor denen ich die größte Angst habe. Schreibend betrachtet: Wie schrecklich, wenn so eine hineinschaut und dann stöhnt und mir mitteilt, was für ein Mist all das ist und dass ich kein Talent hätte! Aber das Gegenteil war der Fall und ich kann gar nicht sagen, wie ich dann hier sitze, die mir gesandten Zeilen ein dutzend Mal lese und heule wie eine Dreijährige, die ihr Wunschweihnachtsgeschenk erhalten hat und noch ein kleines Extra dazu. Ach, Blödsinn, zehn riesige Extras! Das toppte die zwischenzeitlich guten Einkünfte (die dank Amazonangeboten erzielt wurden). Und doch konnte ich das nicht beiseiteschieben, dieses in bestimmten Kreisen wichtige Rangfolgen- und Geldeingangsvergleichen. Was Geld macht, ist gut, ist geil, ist richtig, wer Anspruch an sich selbst hat, ist halt nur neidisch, klein und hat keine Ahnung. Das kann man sich ganz gut anziehen.

Aber es nutzt auch: Denn dann schaut man sich um, sieht die Nähmaschine beispielsweise, und rechnet nach, wie viel Arbeit man jetzt reingesteckt hat. Da komme ich locker auf achtzig Stunden die Woche. Weil man sich anstecken lässt von dem Größer, Schneller, Weiter. Will ich das ändern? Ja und Nein. Das Schreiben ist ja schon immer Teil meines Lebens gewesen und ich habe Ideen für die nächsten 17 Bücher. Und ich muss Dinge schnell machen, sonst bleibe ich nicht dran. Aber vielleicht musst ich nicht meine gesamte Zeit täglich dafür aufwenden – vielleicht kann ich mal wieder bloggen, mal wieder nähen, irgendwann mal wieder stricken? Wichtig ist die Balance, die sich zu sehr verschoben hat. Da muss ich mich mal wieder zwingen, anderes zu tun. Wohlwissend, dass ich dennoch täglich werde schreiben müssen, um zu schaffen, was ich schaffen will. Als Nächstes eben die 1815-Geschichte einer Miss Harriet Brentley, die dem Roman Stolz & Vorurteil verfallen ist. Und unbedingt erreichen will, Ähnliches zu erleben. Darauf habe ich nun so richtig Lust, aber wie immer frage ich mich, ob ich das kann. Und dann neige ich dazu, mich ganz und gar hineinzustürzen. Und dann, wenn es erscheint, mir einerseits Leserinnen zu wünschen und gleichzeitig Angst vor ihnen zu haben. Dumm?

So. Mal schauen, ob ich die nächsten Monate besser geregelt bekomme …