Ein Geschenk für Freundinnen

Ein Wort vorweg: Da ich auf Facebook und im Blog duze und gedutzt werde, halte ich es im Newsletter ebenso.

Was gibt es zu berichten? Zunächst einmal bin ich sehr stolz, mich endlich zu einem Newsletter durchgerungen zu haben. Deshalb gibt es ein Geschenk - entweder für dich oder aber für deine Freundinnen, denen du Fräulein Schumacher ans Herz legen möchtest. Oder auf den Kindle. Dazu mehr im ersten Beitrag.

Meinen persönlichen Blog michou-loves-vintage.de habe ich auf ungewisse Zeit offline genommen, dafür aber meine Lieblingsbeiträge auf den Schreibblog gezogen. Wenn du also Interesse an meinen Alltagsrants oder meiner höchst individuellen Sicht auf einige berühmte Frauen der Historie hast oder nachlesen möchtest, was ich zu Stil, Farbe und Kleiderschrank zu sagen hatte, dann nimm dir einen Kaffee, eine heiße Schokolade oder eine Tasse guten englischen Tees, mache es dir bequem und wühle dich durch die neue Vielfalt.

Von heute bis Montag gibt es ein Geschenk!
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Ein kurzer Auszug aus Emmas nächstem Fall
(Tippfehler könnten noch enthalten sein, lesen auf eigene Gefahr :D )

Der Mittwochmorgen kam mit noch mehr Regen, noch mehr Wind, noch mehr Gewitter. Gelegentlich hagelte es gar und wer nicht hinaus musste, der blieb daheim oder begnügte sich auf der Arbeit mit einer Pause im Aufenthaltsraum. Sogar die unermüdlichen Marktleute, die Schnee und Eis ebenso trotzten wie sommerlicher Schwüle, hatten darauf verzichtet, ihre Stände aufzubauen; weshalb bis zu den Knöcheln in fließenden Bächen stehen, wenn doch kein Pfennig eingenommen werden würde?
Die Straßenbahnen waren proppenvoll und rochen nach nassem Hund, von zugeklappten Regenschirmen tropfte es auf Schuhe und Strümpfe und an jeder Haltestelle rief wenigstens ein Passagier, er müsse hindurch, man solle ihm Platz machen, was leichter verlangt als getan war. Einzig einige junge Leute genossen das Wetter und die Enge: Durch die laut trommelnden Regentropfen vor allzu neugierigen Zuhörern geschützt, flüsterten junge Herren durchnässten Fräulein Höflichkeiten zu, derer sie sich sonst geniert hätten. Und die Fräulein – so ihnen der Jüngling gefiel – gestatteten sich ein Lächeln, das zu weiteren Komplimenten aufforderte. Ein besonders glücklicher Bursche hatte einen freien Platz ergattert und bot so gleich zwei Damen eine Sitzgelegenheit an; seine Oberschenkel trügen leicht schwerere Lasten als die auf ihre Linie bedachten Stenotypistinnen, die kichernd sich auf ihm niederließen.
Emma saß ganz hinten in der Bahn und beobachtete all das voller Vergnügen. Nur mit halbem Ohr hörte sie den Klagen einer älteren Dame zu, die sich neben sie gequetscht hatte und deren Sorgen sich vor allem auf eine unverschämte Waschfrau und ihren pflichtvergessenen Sohn bezogen. Gelegentlich nickte Emma und machte ein betrübtes Gesicht, murmelte wohl auch, es sei wirklich unerhört, und verabschiedete sich herzlich, als die Sitznachbarin sich schwerfällig erhob und brüllte, man solle sie heraus lassen.
Dann ratterte die Bahn über die Brücke auf die andere Rheinseite. Vom Siebengebirge war nichts zu erkennen; zu dicht ging der Regen hinunter. Emma dachte an den morgigen Abend. Wie unheimlich eine solche Geisterbeschwörung wohl wäre, wenn es draußen blitzte und donnerte? Würde ein solches Unwetter Madame Ophelia entgegenkommen? Für die gruselige Stimmung würde sie dann nicht selbst sorgen müssen. Aber was, wenn doch etwas dran war an all dem? Wenn morgen ein Toter zu ihnen spräche? Oh, das wäre grauenvoll, wirklich!
Emma stellte sich einen verwesenden Leichnam vor, der mit bleckenden Zähnen auf sie zulief und seine knochigen Hände nach ihr ausstreckte. »Uh, nein!«
Wenigstens zehn Personen drehten sich erschrocken zu ihr um. Was Emma sehr peinlich war. So sehr, dass sie aufsprang und rief, sie sei eingenickt und hätte fast ihre Station verpasst. Hastig drängelte sie sich an allen Passagieren vorbei und kletterte hinaus auf das Trottoir.
Ein schöner Mist war das, so fluchte sie leise, als sie den Schirm öffnete und ihn gleich darauf wieder schloss, weil der Wind gar zu sehr an ihm zerrte. Wütend vor sich hin zeternd rannte sie über das nasse Pflaster.

Triefend und tropfend zog sie ihre Schuhe bereits im Hausflur aus, dann erst öffnete sie die Tür, rief einen Gruß in die Wohnung und eilte ins Badezimmer, wo sie Schirm und Kleidung über die Wanne hängte, sich auch ihrer Seidenstrümpfe entledigte und in den Kittel schlüpfte.
Sie streckte den Kopf in den Flur und fragte, ob sie sich ein Handtuch für die Haare nehmen dürfe, erhielt einen positiven Bescheid und erschien gleich darauf in dem zu kurzen Arbeitskleid, den dicken Kuschelsocken und einem Turban vor Frau Dr. Degenhardt.
»Mein liebes Kind, Sie sind doch nicht etwa durch den Rhein geschwommen?«
»Dann wäre ich weniger nass. Darf ich etwas weiter aufheizen? Ich spüre meine Finger kaum.«
Auch das gestattete die Doktorin und forderte sie außerdem auf, sich einen heißen Tee mit Schuss zu bereiten, bevor sie mit der Arbeit anfingen.

Vier Stunden lang beschäftigten sie sich mit den Aufgaben, die sie zwei Tage lang vernachlässigt hatten, schrieben Briefe, telefonierten mit Herren und Damen in aller Welt und erwähnten Madame Ophelia mit keinem Wort.
Zum Mittag war es Frau Doktor, die sich in die Küche begab und dort Spiegeleier mit Schwarzbrot zubereitete. Erst, als sie die leeren Teller beiseiteschoben, sprachen sie über den nächsten Abend. Sie schmückten ihre Geschichte aus, übten sie ein, überfielen sich mit möglichen Fragen und Unterstellungen und bewerteten die Antworten der anderen streng. Würde die Geisterseherin sie enttarnen? Waren sie überzeugend?
Als sie zufrieden waren, führte Frau Dr. Degenhardt ihr Kostüm vor, in dem sie eine durchaus reizvolle Witwe mit ausreichendem Einkommen abgab. Schluchzend klagte sie, welch ein egoistischer Mann ihr Egon gewesen sei und dass niemand sie verstünde, weil sie ihn dennoch vermisse.
Doch, ja, befand Emma, das nahm ihr schon ab, das konnte so bleiben. Ob sie sich auch verkleiden solle?
Davon nahmen sie allerdings Abstand, immerhin würde Emma unter ihrem eigenen Namen auftreten, da sei es schon unvorsichtig genug, den falschen Gatten bei sich zu haben. Dass Siegfried Mertens mitkam, war Frau Dr. Degenhardt durchaus recht, wer weiß, ob man nicht gleich beim ersten Treff für eine Beendigung des Betruges würde sorgen können? Da wäre der Wachtmeister sicher von Nutzen.
Gegen vier Uhr schon beendete Frau Doktor den Arbeitstag. »Ruhen Sie sich aus und vielleicht üben Sie heute Abend mit Herrn Mertens, als Ehepaar aufzutreten. Morgen will ich Sie hier nicht sehen; machen Sie sich hübsch und genießen Sie den Nachmittag mit Ihrem Herrn Vater. Ich komme um sieben Uhr zu Ihnen, dann fahren wir gemeinsam zu Madame Ophelia.«
Emma dankte für den geschenkten freien Tag, versicherte, wie sehr sie sich auf das Ereignis freue, zog sich um und rannte ihrer Bahn nach, die eben abfahren wollte. Zwar hatte der Regen sich verzogen, doch war es noch kälter und windiger geworden und ungern hätte sie zu Fuß gehen wollen.


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Andrea Instone
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